www.bbik.de » www.bbik.de » Archiv » Liste » Technologiemix sorgt für neue Wege zur Breitbandversorgung im ländlichen Raum im Land Brandenburg

Technologiemix

Für ein schnelles Internet in ländlichen Kommunen müssen z.B. die vorhandenen aber zu langen Kupferkabelwege überbrückt oder auch die in den 1990er Jahren verlegten Glasfaserkabel ersetzt werden.

Ein Beispiel von vielen für die Förderung des Landes Brandenburg (hier vertreten durch die Staatskanzlei) zur Verbesserung der Internetversorgung in unterversorgten Kommunen ist der Einsatz von Richtfunktechnik. Diese Technik soll im Folgenden näher erläutert werden.

Durch den Städte- und Gemeindebund und die IHK wurden im letzten Jahr 26 Gemeinden und Ortsteile von Kommunen ausgewählt, die in absehbarer Zeit keine Versorgung durch eines der  31 im Land Brandenburg vertretenen Telekommunikationsunternehmen erhalten werden. Diese 26 Kommunen wurden bislang nicht mit DSL versorgt, weil die Kupferkabel von den Hauptverteilern in  die Ortsteile zum Teil wesentlich länger als 5 km sind und damit eine Übertragung von DSL auf Grund der zu hohen Dämpfung des Kabels nicht möglich ist.

In diesem Modellprojekt setzt sich die technische Lösung zur Breitbandversorgung von 26 ländlichen Gebieten im Land Brandenburg im wesentlichen aus drei Bausteinen zusammen:

  • Die 26 Richtfunkstandorte werden über ein Layer-2-Aggregationsnetz an einem zentralen Point of Interconnect (POI) über VLAN (IEEE 802.1q) zusammengeführt.
  • Richtfunk vom  POI ( Point of Interconnect) zu einem Mast / Gebäude im zu versorgenden Ort mit Verbindungsleitung zur Anbindung an ein Außengehäuse
  • Außengehäuse incl. AC/DC Konverter, Passive Verteiler DSL-Techik zur Anbindung der Endkunden

Das Richtfunkkonzept basiert auf dem Ansatz einer zu hohen Dämpfung der Kupferkabel, die aber zur klassischen DSL-Anbindung notwendig sind. Die fehlenden Glasfaserverbindungen werden mittels Richtfunklinks ersetzt. Hierzu werden  Richtfunkkomponenten eingesetzt, die je nach Konfiguration  Ethernetübertragungsraten von 155 Mbit/s bis zu 600 Mbit/s bereitstellen können.

 

 (Quelle: Ericsson Deutschland)

Vom Multifunktionsgehäuse (MFG) im Versorgungsbereich der geplanten DSL-Region wird eine Richtfunkverbindung zum Point of Interconnect (POI) des Netzbetreibers aufgebaut, von der aus die Daten ins „Internet“ übergeben werden. Auf Seiten des MFG wird hierzu in unmittelbarer Nähe entweder ein bis zu 10 m hoher Mast gestellt oder ein geeignetes Gebäude zur Montage der Richtfunkantenne ausgewählt.

Für die Realisierung hatten die beteiligten Ingenieure und Unternehmen eine anspruchsvolle Zeitvorgabe von ca. 180 Tagen. Damit mussten trotz des langen und überdurchschnittlich harten Winters die 26 Richtfunklinks bis zum 30.04.2010 geplant und errichtet werden.

Zu den wesentlichen Aufgaben in diesem Modellprojekt gehörte das Behörden-Engineering. Im ersten Schritt mussten die Kommunen einen Netzbetreiber für ihr Ortsnetz auswählen. Zur Auswahl standen hier die 31 Telekommunikationsunternehmen, die das Memorandum für den Breitbandausbau des Landes Brandenburg gezeichnet hatten. Mit den nun von den Kommunen ausgewählten Netzbetreibern wurden die möglichen Standorte für die Errichtung der Richtfunkstrecken in den jeweiligen Ortsteilen möglichst so ausgewählt, dass die Anbindungen an die Mehrzweckgehäuse kostengünstig verlegt werden können. Das erfolgte unter direkter Einbeziehung der Bürger in den ausgewählten Orten. In Bürgerversammlungen und Gemeindevertretersitzungen wurden Fragen beantwortet und Bedenken ausgeräumt.

Nach erfolgter Prüfung der Realisierbarkeit wurde die Funk- und Bauplanung der Richtfunkstrecken durchgeführt.

Für einige der ausgewählten Gemeinden hat sich während der Planungsphase herausgestellt, dass im Prozess der Ausschreibung zwischenzeitlich eine Versorgung mit Breitband durch andere Netzanbieter z.B. Kabelfirmen stattgefunden hat. Für diese Fälle gestattete das Auswahlverfahren das Nachrücken von Folgekandidaten. Dieser Prozess führte hier allerdings zu Verzögerungen und weiteren Umplanungen auch im Aggregationsnetz.

Nach dem Startschuss am 5. November 2009 in Michendorf mit Vertretern aller 26 Kommunen und den an diesem Projekt interessierten Telekommunikationsunternehmen wurde schon im Januar 2010 die erste Richtfunkstrecke vom „Park Inn Hotel“ in Berlin nach Elstal (Orsteil von Wustermark) mit dem Chef der Staatskanzlei Albrecht Gerber in Betrieb genommen.

Am 28.04.2010 konnte dann (nach nur 175 Tagen) der erste Teil des Projektes - die Errichtung der Richtfunkstrecken in die Ortsteile - im Michendorfer Ortsteil Wilhelmshorst feierlich abgeschlossen werden.

Hier konnte zudem eine Premiere gefeiert werden. Der von der Kommune Michendorf ausgewählte Netzbetreiber (dns:net) hatte als Erster durchgesetzt, dass die Deutsche Telekom einen Schaltverteiler für einen „kleinen“ Netzbetreiber errichten muss. Dieser Schaltverteiler ermöglicht es, an einem Punkt gleichzeitig auf alle Teilnehmer in einem Ort zuzugreifen. Damit entfällt eine weitere Hürde zur Versorgung des ländlichen Raumes.

 

Fazit:

Auch in Zukunft wird es so sein, dass der Glasfaserausbau nicht überall wirtschaftlich realisierbar ist, da mehr als zwei Drittel der Ausbaukosten bei der Glasfaserverlegung auf Tiefbauarbeiten entfallen. Unterschiede in der Versorgungsqualität werden sich deshalb auch mittel- bis langfristig nicht vermeiden lassen. Zu erwarten ist, dass perspektivisch ca. zwei Drittel des Landes kostendeckend mit Glasfaseranschlüssen versorgt werden können, während ein Drittel auch in absehbarer Zukunft über funkbasierte Technologien angebunden wird.

Im Verlaufe des Projektes  wurde durch das intensive Behörden-Engineering eine erhöhte Aufmerksamkeit und Akzeptanz für das Thema Breitband, z.B. bei Bürgermeistern und Amtsdirektoren, erreicht.

Das Land Brandenburg benötigt Breitbandstrategien für die Zukunft, die neben einer Grundversorgung in der Fläche der ländlichen Gebiete mittelfristig auch höhere Bandbreiten beinhalten.

Das Konzept einer flächendeckenden Breitbandversorgung im Land Brandenburg gibt sowohl Netzbetreibern als auch den Ingenieuren sowie kleinen und mittelständischen TK-Unternehmen des Landes eine gute Orientierung für den Ausbau von Breitbandtechnologien.

Die Fokussierung  auf einen Technologiemix eines Netzzugangs zur Grundversorgung von 2 Mbit/s hat sich als der richtige Weg für in Brandenburg erwiesen. Für dicht besiedelte Gebiete des Landes ist mittelfristig der bereits eingeschlagene Weg des weiteren Ausbaus der Infrastruktur mittels Glasfasertechnik konsequent. Für den flächendeckenden Ausbau in ländlichen Gebieten sind dagegen funkgestützte Lösungen aus Zeit- und Kostenaspekten der optimale Weg. Im Ergebnis der Projektarbeit wurden hierfür die wesentlichen Voraussetzungen geschaffen.

 

(Dipl.-Ing Hartmut Kordus)

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