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Mitgliederversammlung in Cottbus


Möglicherweise verhinderte aber das große Auditorium eine offene Diskussion zu den vorgetragenen Fachthemen und Informationen des Präsidenten. Sicher wäre es spannend gewesen, wenn sich die Praktiker über die Wirkungsweise der Weiterbildungsrichtlinie der Kammer, die Folgen des Versicherungsvertragsgesetzes für die Mitglieder als Chance oder Belastung der Wettbewerbsfähigkeit der Ingenieurbüros auf breiterer Ebene ausgetauscht hätten. So hatte die Mitgliederversammlung im Grunde nur den Charakter einer Weiterbildungsveranstaltung, in der neben Fachthemen auch Kammerangelegenheiten präsentiert wurden. In den beiden spannenden Vorträgen widmete sich Dr. Fingerloos höchst anspruchsvollen Themen.

Zuerst erläuterte er die Hintergründe, die zur Neuausgabe der DIN 1045-1 im Jahr 2008 geführt haben.
Die wichtigste Information war, dass mit der Überarbeitung der Norm 2 Aspekte verschärfend geregelt wurden. Zum einen musste dem erneuten Ansteigen von Schadensfällen als Folge der Alkali-Kieselsäure-Reaktion Rechnung getragen werden. Wichtig ist für alle Statiker: Sie müssen künftig die Feuchteklassen abschätzen und in die Zeichnungen eintragen. Die andere Verschärfung betrifft die Reduzierung der zulässigen Stahlfestigkeit unter Ermüdungsbeanspruchung.

Alle anderen Vorschriften der im Jahr 2001 verabschiedeten DIN 1045-1 sollen nach den Worten des Referenten nach wie vor uneingeschränkt gültig sein. Damit dürfen die angeschafften Rechenprogramme und Hilfsmittel weiter verwendet werden.
Die Ausgabe aus dem Jahr 2008 bietet Möglichkeiten bestimmte Sachverhalte durch genauere Untersuchungen besser als in der Vorgängernorm zu erfassen und damit wirtschaftlicher zu bemessen. Um den Anwendern einen leichten Überblick über die Änderungen zu ermöglichen und einem breiten Anwenderkreis die Anschaffung der kompletten Norm zu ersparen, hat Dr. Fingerloos ein Buch unter dem Titel "Kommentierte Kurzfassung DIN 1045-01" verfasst. Darin sind alle Probleme des Stahlbetonbaus im klassischen Hochbausektor enthalten. Wer darüber hinaus Brückenbauten und dynamisch beanspruchten Bauteile bemisst, wird nicht um die komplette Anschaffung der neuen Ausgabe kommen.

Der 2. Vortrag befasste sich mit Bauen im Bestand. Dieses Problemfeld stellt sehr vielfältige Anforderungen an die Tragwerksplaner. Für die Entscheidung ob alte, eigentlich ungültige Normen angewendet werden dürfen oder ob nach aktuell geltenden Vorschriften gearbeitet werden muss, gibt es derzeit keine eindeutige bauordnungsrechtliche Regelung. Diese ist wegen der Problemvielfalt wohl kaum zu erwarten.
Die ARGE Bau hat ein Hilfsmittel für die Herangehensweise veröffentlicht. Tatsächlich aber liegt die Beurteilung im konkreten Fall in der Hand des Statikers, der immer gut beraten ist, wenn er bereits zum Planungsbeginn mit dem Prüfstatiker die Grundzüge der Bemessungssituation abstimmt. In den immer individuell zu betrachtenden Fällen zeigt sich, dass der Ingenieurverstand maßgebend ist und weniger die Zahl der Bildungspunkte, die ein Mitglieder BBIK gesammelt hat.
Auch wenn beide Vorträge vornehmlich den Statikern in ihrer praktischen Arbeit helfen sollten, so eröffneten sie den anderen Teilnehmern Einblicke in eine Welt der Vorschriften, die einerseits sehr konkrete Festlegungen enthalten und auf anderen Seite Möglichkeiten bieten, technische Sachverhalte mit professionellem Fachverstand unterschiedlich zu interpretieren. Dr. Fingerloos hat mehrfach die Zulässigkeit der Nutzung der "alten" DIN 1045-1 herausgestellt und gleichzeitig die Chancen zur Einsparung durch die Anwendung der Vorschrift aus dem Jahr 2008 aufgezeigt. Sollte das nicht auch bei der Argumentation gegenüber dem Bauherren helfen, wenn er sich einer angemessenen Vergütung verschließen will? Letztlich muss der Statiker viel Kraft in seine eigene Qualifikation, Literatur und Software stecken, wenn sich in kurzer Zeit die Normen wandeln und der Bauherr von der Anwendung der neuen Normen profitiert.

Betrachtet man die große Teilnehmerzahl und den hohen Anspruch der Fachbeiträge als Erfolg, so steht aber auf der anderen Seite die Frage nach der Überschrift "Mitglied erversammlung". Diesen Anspruch konnte die Veranstaltung nicht erfüllen. Es wird zu überlegen sein, ob im nächsten Jahr solch eine hohe Beteiligung erwartet werden kann. Zum einen können mit den Fachthemen bestimmte Planungsgewerke, ob Straßenbau, Vermessung oder Haustechnik nur beschränkt angesprochen werden. Zum Anderen hat sich gezeigt, dass der Rahmen mit 160 Teilnehmer für einen breiten Gedankenaustausch einfach zu groß erscheint.

Dieser Beitrag wurde von Herrn Dipl.-Ing. Jahn, Mitglied der BBIK und Teilnehmer der Veranstaltung verfasst.

Die BBIK nimmt die Hinweise aus dem Beitrag auf und wird sie für kommende Mitgliederversammlungen berücksichtigen.

Als eine Schlussfolgerung aus den regionalen Mitgliederversammlungen 2009 möchte die BBIK alle Mitglieder dazu anregen, Fragen und Themen schon im Vorfeld der Veranstaltungen an die Geschäftsstelle der Brandenburgischen Ingenieurkammer zu richten. Diese können Sie per Fax an (03 31) 743 18 – 30 oder per e-mail an info@bbik.de senden. In den zukünftigen Einladungen zur Mitgliederversammlung wird die BBIK diesen Punkt nochmals ansprechen.

Durch die vorherige Übermittlung von Fragen und Anregungen kann die BBIK besser und effektiver in den Versammlungen darauf eingehen.

 

 

 

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