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Nachkriegsmoderne im Land Brandenburg am Beispiel Frankfurt (Oder)

Dies ist eine grundlegende Erfahrung aus den 1950er bis 1980er Jahren: Nicht der Neubau als solcher wird abgelehnt, nur die Verwechselbarkeit. Wie schafft man es also, dass ein Mieter „sein“ Haus im Dunkeln erkennt?

Ergänzungsbauten, unterschiedliche Fassaden, Gestaltungselemente sind Möglichkeiten.

Aus meiner Sicht werden die Chancen, die zum Beispiel durch die Veränderung der Geschossigkeit, Vor- und Anbauten, eben die bewusste Unterscheidung der Quartiere bis hin zur bewussten Unterscheidung einzelner Gebäude führen würde, bisher nicht genügend genutzt. Es sollte dabei durchaus auch der Rückbau ganzer Geschosse oder eben deren Aufstockung geplant werden. Eine grundlegende Frage ist auch die mögliche Auflösung der Nutzungen. Zum reinen Wohnen genutzte Erdgeschosse im Kernbereich der Innenstadt halte ich generell für problematisch.

Natürlich ist es bekannt, dass die Gebäude auch finanziert und vermietet werden müssen.

Das schafft Randbedingungen, die eine umfassende Umstrukturierung behindern oder mindestens verzögern. Verhindern sollten sie sie nicht.

In Frankfurt ist trotzdem inzwischen fast ein Stadtkern entstanden und als Wahrzeichen der Innenstadt erkennt man von weitem nicht das zentrale Kirchendach sondern den Oderturm.

Das bedeutet nicht, dass die wenigen erhaltenen historischen Gebäude vernachlässigt werden, das Gegenteil ist der Fall. Rathaus, Marienkirche, Junkerhaus (Viadrina-Musuem) sind sorgsam wieder hergestellt und bilden natürlich Glanzpunkte. Aber das können andere Städte auch. Die Besonderheit ist deren Einbindung in die Nachkriegsbebauung.

Dies bleibt auch weiterhin die Aufgabe. Denn zum Beispiel mit der „Magistrale Karl-Marx-Straße“ kann es so nicht anheimelnd werden. An dieser Stelle, scheint mir, muss eine radikale Lösung gefunden werden. Warum also sollte man die östlichen und westlichen Richtungsfahrbahnen nicht voneinander trennen und den dann gewonnenen Mittelstreifen einer Bebauung oder einer Begrünung (z.B. mit Parkcharakter) zuführen?

Und das ist nun eine Frage, die man weit über Frankfurt/Oder hinaus diskutieren muss.

Magistralen verhindern den Verkehrskollaps der Innenstädte. Man kann sie nicht einfach zurückbauen. Aus der Sicht der Bewohner sind sie aber oft eine Katastrophe. Wenn man sich also nicht ohne weiteres von ihnen trennen kann, müssen sie eben auch für den Fuß- und Radverkehr erlebbar gemacht werden (Fußgängerbrücken, Mittelstreifennutzung, Kunstobjekte). Trotz der notwendigen Fahrbahnbreiten sollte der Gesamteindruck kleinteiliger werden.

Wenn man nicht die radikale Wiederherstellung der Vorkriegsbebauung favorisiert, und das liegt mir fern, muss man künftig Lösungen für das „Miteinander“ der Epochen finden.

Bisher bezieht sich das im Großen und Ganzen auf die energetische und hüllenmäßige Aufwertung der einzelnen Gebäude. Die Gestaltung im Sinne des Städtebaus steht überwiegend noch aus.

Warum können Widersprüche, auch aus der politisch motivierten Veränderung der Bausubstanz der vergangenen Jahrzehnte nicht gezeigt werden? Das kann immer auch einen Rückbau in Teilen beinhalten. In gewisser Weise sollten wir aber unsere Geschichte aushalten.

Frankfurt ist jedenfalls dafür ein hoffnungsvolles Beispiel.

Sabine Brunner
Mitglied BBIK

Zum Thema "Nachkriegsmoderne" ist nunmehr eine kurze Dokumentation seitens des Ministeriums für Infrastruktur und Landwirtschaft erstellt worden, die Sie unter der folgenden Adresse im Internet finden können:
http://www.mil.brandenburg.de/cms/detail.php/bb1.c.147637.de

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