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Objektplanertag 2011

Vortrag 1 - „Bauen im 21. Jahrhundert – eine Chance“

In ihrem Einführungsvortrag zur Problematik des biologischen und umweltbewussten Bauens gab Dipl.-Ing. Architektin Anke Plehn einen Überblick über die Gesamtproblematik. Ausgehend davon, dass die Lebewesen durch elektromagnetische Schwingungen, für uns unbewusst, mit ihrer Umgebung kommunizieren, ergeben sich in der heutigen Zeit sehr viele Einwirkungen auf den Organismus, z. B. durch Starkstromnetze, Handystrahlungen, Funknetze usw.. Durch Überlappungen können gesundheitliche Schäden auftreten. Klarheit schaffen aber nur Messungen, die die Gefährdungen auch belegen, danach können bauliche Maßnahmen eingeleitet werden.

Aber dies ist nur ein Aspekt. Die Referentin spannte den Bogen über die Beeinflussung der Sinne durch Licht, Begrünung von Innenhöfen an Beispielen von vorbildlich geplanten Schulbauten und Kindergärten über Belastungen in der Raumluft durch Ausdünstungen von Klebstoffen, Weichmachern in Farben, Bodenbelägen bis hin zur gebauten Umwelt durch die Verknüpfung von ÖPNV, Grünanlagen im Innenstadtbereich usw..

Grundlage für eine umweltgerechte, nachhaltige Planung ist aber immer das Wissen um die Zusammenhänge und Auswirkungen auf Basis der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse und von Messungen. Es wurde angeregt vertiefende Seminare durch die Kammer anzubieten


Vortrag 2 - „Fotovoltaik in der Fassade“

Für die CO2-Reduzierung wird bei der Stromerzeugung spielt die Fotovoltaik eine immer wichtigere Rolle. Die Solarbranche ist eine der am schnellsten wachsenden Industrien der Welt. Neue Studien zeigen, dass sich Energiebedarfsspitzen verlagert haben. Die Spitzenbedarfszeiten liegen zwischen 10-11 Uhr und 19-20 Uhr. Der Referent legte dar, dass mit der preiswerteren Produktion von der klassischen Südausrichtung auf dem Dach mit optimaler Neigung abgewichen werden kann. So beträgt die Energieausbeute bei der Südfassade ca. 66% und bei der Ost-/ Westfassade immer noch 50 % gegenüber der optimal ausgerichteten Solarfläche auf dem Dach. Zahlreiche Beispiele verdeutlichten den Einsatz von Fassadenmodulen. Dies sind z. B. der Einsatz in der Warmfassade, in der Kaltfassade SCC 60 mit Schüco Pro Sol TF, in der Schüco Anlehnfassade und im Sonnenschutz. Die stoßfreien Maximalabmessungen liegen derzeit bei 2,20* 2,60 m einteilige und bei einem Maximalmaß von 2,10* 4,00 m im Patchworkverfahren (Fa. Schüco).

Die Entwicklungstendenz geht in Richtung aSi-Dünnschichtmodule, die selbst bei hohen Temperaturen noch sehr gute Ertragswerte erzielen. Je nach Einsatzzweck lassen sich mit teilopaken Elementen für die Innenraumgestaltung interessante Wirkungen erzielen. Die Industrie bietet bei der Planung und Realisierung von Vorhaben Unterstützung an.


Vortrag 3 - „Brandschutznachweise für Sonderbauten“

Sonderbauten sind Anlagen und Räume, die durch ihre besondere Art oder Nutzung ihre Benutzer oder die Allgemeinheit gefährden oder in unzumutbarer Weise belästigen können. An sie können besondere Anforderungen gestellt werden.

Der Schwerpunkt des Vortrages befasste sich mit der Problematik der „Gemeinschaften für seniorengerechtes Wohnen“ im Vergleich zu „Alten- und Pflegeheimen“.

Die Regelungen in Berlin und Brandenburg sind nicht einheitlich. Im Land Brandenburg z. B. gibt es z. Z. keine Grundlage für Anforderungen an Pflegeheime. Trotzdem sollte der Planer bei Seniorenwohngemeinschaften von besonderen Betrachtungsweisen ausgehen.

Der Vortrag von Herrn Dipl.-Ing. Oeckel steht im internen Bereich der Kammerhomepage bzw. auf der Internetseite Dr. Zauft – Ingenieurgesellschaft für Bauwesen mbH im Downloadbereich zum nachlesen und nacharbeiten zur Verfügung.


Vortrag 4 - „Diskussion mit der unteren Bauaufsichtsbehörde“

Gesprächspartner: Markus Beck, Ltr. BauOA Potsdam und Joachim Titjen BauOA Potsdam,

Der Seminarpunkt wurde in Form einer Frage-/Antwortdiskussion zwischen den Seminarteilnehmern und den Vertretern der Bauordnungsämter geführt. Dabei wurden folgende Fragen erörtert:

1. Ist für den Bauantrag zur Herstellung eines Freiberuflerbüros für Bauplaner mit dem Antrag das FBL Betriebsbeschreibung mit vorzulegen?

Antwort: Aus Sicht beider Gesprächspartner in der Regel nicht.

2. Wie sind bei An- und Umbauten Räume zu bewerten, die niedriger als die vorgeschriebene lichte Mindestraumhöhe sind und bisher als Wohnräume genutzt wurden?

Antwort: Diese Räume können nicht mehr in die Ausweisung als Wohnräume einbezogen werden.

3. Ab welcher Dauer einer Objektnichtnutzung entfällt der Bestandsschutz?

Antwort: Nach der Rechtsprechung entfällt der Bestandsschutz, wenn der bestimmungsgemäße Gebrauch des Objektes entfällt. Eine Zeitdauer kann nicht allgemein benannt werden und ist im Einzelfall abzustimmen.

4. Wie ist bei Nutzungsänderungen eines Gebäudes zu verfahren, wenn die vorhandenen Grenzabstände nach LBO nicht eingehalten werden?

Antwort: Einzelfallentscheidung in Abstimmung mit BauOA führen! Evtl. entfällt die Zulässigkeit des Vorhabens oder es können bauliche Maßnahmen an der Grenzbebauung angeordnet werden.

5. Wie ist zu verfahren, wenn Bauherren den Planer nicht mit der gesetzlich vorgeschriebenen Bauüberwachung beauftragen?

Antwort: Der bisher beauftragte Objektplaner muss dies dem genehmigenden BauOA schriftlich anzeigen und ist damit von den Pflichten der BÜ befreit. Die vertragliche Bindung bzw. Entpflichtung muss der Planer mit seinem Auftraggeber zivilrechtlich klären. Die seitens der Planer angestrebte diesbezügliche Unterstützung durch die Bauordnungsämter über gesonderte Hinweise im Baugenehmigungsbescheid ist nicht zu erwarten. Die Bauaufsichtsbehörde vertritt die Ansicht, dass in den gesetzlichen Vorschriften ausreichende Festlegungen enthalten sind.

(Die Planer sind der Meinung, dass sie damit wieder einmal vom Verordnungsgeber allein gelassen werden!)

6. Bis zu welchem Umfang sind Photovoltaikanlagen (PVA) baugenehmigungsfrei?

Antwort: siehe Festlegungen in BbgBO § 55 Abs.3 Ziff.10 unter Beachtung weiterer örtlicher Regelungen wie Gestaltungssatzungen u. ä. Forderungen zur Genehmigungspflicht wegen daraus abgeleiteter Nutzungsänderung eines Objektes, weil der gewonnene Strom verkauft wird, werden bauaufsichtlich nicht erhoben.

7. Zur Verantwortung des bauüberwachenden Objektplaners bei Objekten mit hohem Ausrüstungsanteil (z.B. maschinentechnische Installation) gegenüber einem geringen reinen bautechnischen Anteil:

Der BÜ ist gegenüber der Bauaufsicht für das Gesamtvorhaben verantwortlich! Wenn er die Kontrolle ausrüstungsseitiger Bauteile selbst nicht wahrnehmen kann, muss er entweder entsprechende Fachplaner als SUB-Planer einbeziehen oder den Auftrag für die Gesamtmaßnahme ablehnen.

8. Sind Anlagen für erneuerbare Energiegewinnung, z. B. kleine Windkraftanlagen, frei liegende Wärmepumpen (Lärmentwicklung), genehmigungsfrei?

Antwort: In der Regel nicht. Es sind Objekte, die meist mit einer Beeinträchtigung der Umgebung verbunden sind.

 

Zusammenfassend kann aus der Diskussion abgeleitet werden, dass in der Praxis auftretende Detailfragen zur Auslegung des Bauordnungsrechts für das Einzelvorhaben stets zu Beginn einer Planung jeweils mit dem zuständigen Bauordnungsamt abgestimmt werden sollten.

Abschließend informierte Herr Beck, dass eine Novellierung der BbgBO nach Vorlage und in weitgehender Anpassung an die zu erwartende neue Musterbauordnung vorgesehen ist.

Die Änderungen werden sich aber voraussichtlich nur auf bauordnungsrechtliche Fragen beschränken. Verfahrensrechtliche Fragen, wie z.B. die aktuellen Regelungen der Bauüberwachung durch den Objektplaner, sollen beibehalten werden

Frank Paulick
FS Hochbau

Energieeffizienzexperten

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