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Eurocodes – Fluch oder Segen?

Mit einer Videobotschaft an die Gäste durch Minister Dipl.-Ing. Jörg Vogelsänger, MIL, wurde das Thema des Tages eröffnet. Er verdeutlichte, welche bedeutenden Anforderungen den Ingenieuren gegenüber der Gesellschaft obliegen. Besonders im Zuge der Energiewende und in dem Zusammenhang der Energiegewinnung sowie dessen Transport und Speicherung haben sie zukünftig eine hohe Verantwortung.

Das Berufsbild der Ingenieure muss sich deshalb den stetig wachsenden Anforderungen stellen und fortlaufend weiterentwickeln. Dafür ist es notwendig, dass die vorhandenen gesetzlichen Regelwerke praxistauglich und zukunftsweisend überarbeitet werden. Womit er hauptsächlich die Novellierung der BbgBO ansprach.

Europaabgeordneter Norbert Glante schloss sich den Worten des Ministers an und wies in diesem Zusammenhang auf die Wichtigkeit der Nachwuchsgewinnung hin. Allerdings erhofften sich die Gäste mehr Informationen zur Umsetzung der EC´s in anderen europäischen Ländern. Antworten zu den Fragen, wie denn unsere europäischen Nachbarn mit der Einführung der EC-Normen umgehen und welchen gewissen Vorsprung deutsche Ingenieure aufgrund der umfangreichen DIN haben, blieb er allerdings schuldig.

Im anschließenden fachlichen Teil der Veranstaltung zu den Eurocodes wies MdB Prof. Dr.-Ing. Martin Neumann, der an den Entscheidungen zur Einführung der EC mitwirkte, darauf hin, dass im Bundestag von 620 Abgeordneten nur 35 Ingenieure sind. In Zeiten der Energiewende und der Umsetzung technischer Prozesse wie den der Eurocodes sind dies eindeutig zu wenig Techniker, die die Regelung einer effizienten Umsetzung im Alltag mitbestimmen. Herr Dr. Neumann stellte im weiteren Vortrag die umfassende Struktur der Eucocodes dar und gab damit die Grundlage für die Podiumsdiskussion zur geplanten Novelle der Bauordnungen und den ersten Erfahrungen in der Anwendung der Eurocodes.

Die Moderation der Runde übernahm RBB-Moderation Carla Kniestedt. Im Podium saßen weiterhin:

  • Dipl.-Ing. Peter Otte, Präsident Ingenieurkammer Mecklenburg-Vorpommern und Vertreter der Bundesvereinigung der Prüfingenieure für Bautechnik e.V.
  • Dipl.-Ing. Bernd Packheiser, Vorsitzender Honorar- und Vertragsausschuss BBIK und Mitglied der Fachsektion Hochbau und Denkmalschutz sowie dem Sachverständigenwesen
  • MR Jan-Dirk Förster, MIL, Oberste Bauaufsichtsbehörde Brandenburg
  • Dipl.-Ing. Michael Heide, Geschäftsführer Zentralverband Deutsches Baugewerbe
  • Dipl.-Ing. Frank George, Amtsleiter Untere Bauaufsicht Landkreis Elbe-Elster

Zu klären waren viele Fragen.

Welche Vorteile werden sich von den EC´s versprochen?

  • Europaweit einheitliche Entwurfskriterien
  • Harmonisierung national unterschiedlicher Regeln
  • Einheitliche Basis für Forschung und Entwicklung
  • Einfacherer Austausch von Dienstleistungen und Produkten im Bauwesen
  • Einfachere europaweite Ausschreibungen von Bauleistungen

v.l.n.r Carla Kniestedt, MR Jan-Dirk Förster, Frank George, Peter Otte, Michael Heide, Bernd Packheiser

Worin liegen aber die Bedenken der heimischen Ingenieure?

In der Podiumsdiskussion kam unter anderem der Umfang der einzelnen Normen zur Sprache. Der Umfang beispielsweise des Eurocode 3 ist mit ca. 250 Seiten für den Praktiker eine schwer überschaubare Arbeitsgrundlage. Der Aufwand für eine statische Berechnung wird damit noch umfangreicher als es bisher schon vorherrscht. Gerade in kleineren Büros kommt es bei der Anwendung der neuen Normen zu einem höheren planerischen und demzufolge finanziellen Aufwand.

Verwirrung kam bei einigen Gästen auf, als die unterschiedliche zeitliche Einführung der EC´s in den Bundesländern angesprochen wurde. U. a. in Hessen gelten andere Übergangsregelungen (Sonderregelungen), in denen für einen bestimmten Zeitraum die nationalen Normen neben den Eurocodes Bestand haben werden.

Für Brandenburg gilt allerdings, dass für alle ab dem 01.07.2012 neu beginnenden Planungen die EC-Normen angewendet werden müssen.

Wenn Mitgliedsländer der Europäischen Union nationale Normen auf der Grundlage der Eurocodes aufstellen, können sie für ihr Land einen nationalen Anhang (NA) beifügen. Darin sind national festgelegte Kenngrößen möglich, so dass es weiterhin Unterschiede gibt. Der Prozess, dass nationale Normen in Euronormen überführt werden, ist also noch nicht abgeschlossen.

Im Land Brandenburg wird die bauaufsichtliche Einführung in der Liste der Technischen Baubestimmungen umgesetzt. Diese kann über unter www.mil.brandenburg.de, Menüpunkte: Planen & Bauen > Bautechnik > Technische Baubestimmungen abgerufen werden.

Ein weiterer Hinweis, welcher im Besonderen seitens der Bauaufsichten kommt, ist der zunehmende Qualitätsverlust bei den eingereichten Planungen verschiedener Ingenieurbüros. Liegt dies am „Dickicht“ der einzuhaltenden Normen oder in der falschen Anwendung der Software? Laut Meinung einiger Podiumsteilnehmer aber auch Gästen aus dem Publikum spielt beides eine Rolle.

Die Einführung neuer Normen stellt die Ingenieure immer vor neuen Herausforderungen. Je umfangreicher solche Normen sind, desto schwieriger wird deren Umsetzung sein. Laut Aussage von Herrn Frank George, uBAB Elbe-Elster, bieten die Unteren Bauaufsichten einzelner Kreise ihre Unterstützung bei der richtigen Anwendung der neuen Normen an, so dass auftretende Fragen schnell geklärt werden.

Eines ist allerdings sicher, die Eurocodes nehmen Einzug in die Deutsche Normenwelt. Und nicht erst seit dem Ingenieurkammertag sind die Eurocodes ein Begriff. Die Einführung der neuen Normen wurde schon im August 2010 beschlossen. Überrascht sollte also niemand sein. Umso wichtiger ist es, sich in diesem Bereich weiterzubilden.

Dazu erhielten im weiteren Tagesverlauf die Gäste eine Einführung in die wichtigen Grundnormen Eurocode 0 (Grundlagen der Tragwerksplanung, Eurocode 2 (Stahlbeton) und Eurocode 3 (Stahlbau). Die Veranstaltung diente sogleich als Auftakt einer umfangreichen Seminarreihe zu den Eurocodes durch die BBIK, die im III. Quartal 2012 starten. Über die genauen Termine informieren wir Sie zeitnah.

BBIK-Präsident Sommer (re.i.B.) überreichte an Klaus-Dieter Abraham die Auszeichnung. Foto: Presse & Marketing/ Ines Weitermann Goldene Ehrennadel für Dipl.-Ing. Klaus-Dieter Abraham

Im Rahmen des im Seminaris Seehotel Potsdam stattgefundenen 17. Ingenieurkammertages wurde Dipl.-Ing. Klaus-Dieter Abraham mit der Ehrennadel der Brandenburgische Ingenieurkammer (BBIK) in Gold für seine besonderen Verdienste für das Ingenieurwesen im Land Brandenburg ausgezeichnet.

Die Auszeichnung wurde vom Präsidenten der BBIK Dipl.-Ing. (FH), Dipl.-Wirtsch. Wieland Sommer überreicht.

In der Begründung hieß es unter anderem: „ Klaus-Dieter Abraham ist seit 1996 Mitglied der Brandenburgischen Ingenieurkammer, zunächst als Freiwilliges Mitglied, seit 2003 als Beratender Ingenieur. Seit 2007 ist er nicht nur öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für das Fachgebiet Straßenwesen, sondern auch gewählter Vertreter der 4. Vertreterversammlung der Vereinigung der Straßenbau- und Verkehrsingenieure in Berlin-Brandenburg e.V. (VSVI Berlin-Brandenburg e.V.). Er engagiert sich ehrenamtlich als Mitglied im Honorar- und Vertragsausschuss sowie im Wettbewerbs- und Vergabeausschuss. Dabei leistet er eine hervorragende Arbeit und ist außerordentlich engagiert, wenn es um die öffentliche Vertretung der Ingenieurs- und Kammerarbeit geht. Er hat diese Auszeichnung mehr als verdient.“

Abraham ist Geschäftsführer der Potsdamer Verkehrs- und Ingenieurbau Consult GmbH (VIC).

Pressemitteilung zum Download >

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