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19. Ingenieurkammertag mit positiver Resonanz

Ingenieure müssen sich stets ihrer moralischen Integrität und ihrer Verantwortung für eine möglichst optimale zeitgemäße Qualität ihrer Leistungen im Interesse der Gesellschaft bzw. ihrer Auftraggeber bewusst sein. Dazu gehören, besonders auch für die Freiberufler, das Handeln nach ethischen Grundsätzen sowie lebenslanges Lernen und Umsetzen der sich permanent entwickelnden neuen technischen und wirtschaftlichen Erkenntnisse. Politik und Gesellschaft müssen demgegenüber über rechtliche Regelungen die notwendigen Freiräume für das eigenverantwortliche Handeln der Ingenieure schaffen. Verbesserungen der bestehenden Ingenieurgesetze, u.a. mit Berufsrechtsvorbehalten für sicherheitsrelevante Ingenieurleistungen aber auch die Anerkennung durch auskömmliche Honorierung, gehören dazu.


Jürgen Schweinberger, Abteilungsleiter im Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft Brandenburg (MIL), überbrachte die Grüße des Ministers und sprach über die Chancen und Herausforderungen der Ingenieure im Bauwesen.

Er hob die im Zusammenhang mit der europäischen Integration wachsenden Veränderungen der beruflichen Anforderungen durch Öffnung der Märkte, Strukturwandel im Dienstleistungsbereich sowie auch den wachsenden Konkurrenzdruck hervor. Dies ist strategisch bei der Arbeit im MIL und bei der seit 2004 festgelegten Rechtsaufsicht über die BBIK zu berücksichtigen. Erfreulich ist es, dabei eine gewachsene gute Zusammenarbeit zwischen MIL und BBIK festzustellen.

Als Konsequenzen für den Baubereich nannte er folgende Schwerpunkte:

  • Schutz der Berufsbezeichnung Ingenieur und Architekt
  • die Berufsbezeichnung „Ingenieur“ steht für gute Qualität
  • Ingenieure und Architekten sorgen gemeinsam für Gestaltungsqualität
  • Architekten und Ingenieure realisieren ohne Konkurrenz gemeinsame Bauvorhaben
  • kleinere Büros müssen sich entsprechend den aktuellen Anforderungen profilieren
  • BBIK ist als Interessenvertreter aller Ingenieure des Bundeslandes als „Große Kammer“ zu stabilisieren

Besondere gemeinsame Aufgaben sind dazu gegenwärtig Bemühungen um eine zeitgemäße Novelle des Brandenburgischen Ingenieurgesetzes und der Brandenburgischen Bauordnung.

Der Staatssekretär für besondere Aufgaben am Flughafen BER, Rainer Bretschneider, schloss sich den Grüßen aus der Landesregierung an und beleuchtete die seit 15 Jahren unbefriedigende Realisierung des Flughafenprojektes Schönefeld. Er prognostizierte, dass nun (nach noch notwendiger Kapazitätsbindung für den Lärmschutz) eine Fertigstellung abzusehen sei. Seine Bereitschaft, auf einer gesonderten BBIK-Veranstaltung näher zu informieren, wurde mit Freude aufgenommen.

„(K)eine Zukunft ohne Ingenieure“ war das Thema, zu dem Prof. Dr. Michael Schierack, Fraktionsvorsitzender der CDU Brandenburg und Honorarprofessor an der BTU Cottbus, sprach.

Er begründete an Hand demografischer Entwicklungen im Land Brandenburg die Notwendigkeit, sich für eine Wissenschaftsgesellschaft einzusetzen und dazu den Dialog zwischen Wirtschaft, Gesellschaft und Politik zu forcieren. Dabei sollte u.a. bei der Ausbildung den Naturwissenschaften (MINT-Fächer) sowie der Forschung und Entwicklung wieder ein höherer Stellenwert eingeräumt werden. Des Weiteren sollen durch öffentliche Investitionen ausreichend Arbeit für die Ingenieure sowie durch attraktive Arbeitsbedingungen und Entlohnung Anreize geschaffen werden, dass mehr als die bisher ca. 40% der Absolventen im Land bleiben. Verbreitete Technikskepsis müsste wieder der Liebe zur Technik weichen.

Weitere Beachtung fand auch der Vortrag von Prof. Dr. Christoph Hommerich, Hommerich-Forschung Bergisch-Gladbach. Zu seinem Thema: „Vertrauen in Ingenieure – Anmerkungen zu einem Expertenberuf im Wandel“ beleuchtete der Redner die Wechselwirkungen zwischen Vertrauen der Gesellschaft auf Experten und Verantwortung der Experten.

Prof. Hommerich ist ein anerkannter Kenner dieses Metiers, der bereits diesbezüglich als Gutachter für ingenieurrelevante Tätigkeiten und zur Vorbereitung von Gesetzgebungen gewirkt hat.

Er benannte zunächst eine Vielzahl vorhandener Expertenrichtungen und stellte die Frage: „Welchem Experten können wir vertrauen?“ In diesem Zusammenhang seine Thesen zur Notwendigkeit von Vertrauen:

  • Vertrauen wird notwendig bei unvollständiger Information (über die Zukunft)
  • Vertrauensgeber erwarten, dass Vertrauensnehmer ihre Vorleistung nicht zum eigenen Vorteil nutzen
  • Vertrauen heißt, in gewissem Umfang auf Kontrolle zu verzichten
  • Vertrauen reduziert Komplexität hinsichtlich Wahlmöglichkeiten
  • Vertrauen senkt Suchkosten nach Alternativen
  • Vertrauen ist Voraussetzung für Kooperation

Er konstatierte:

  • Vertrauen ist schnell zerstört und nur sehr aufwendig wieder herzustellen!
  • Kennzeichnend in unserer Gesellschaft ist ein riskanter Vertrauensverlust in zentrale
  • Systeme, Misstrauen breitet sich wie Kriechöl aus, Vertrauenskrisen können nicht durch
  • PR-Arbeit, Marketing oder kurzfristiges Management gelöst werden, erforderlich sind
  • gesellschaftliche Diskurse über das Mögliche, Machbare und Verantwortbare!
  • Experten, die sich nicht fortbilden, werden zum Risiko!

Daraus befürwortet Prof. Hommerich die Bindung der Experten an Kammern. Über die Kammern wird die Bindung an Qualitätsregeln und die Berufsmoral gefördert und überwacht. Hierzu sind unter Berücksichtigung des Wandels des Berufsbildes „Ingenieur“ klare Berufsbilder zu definieren und im Sinne vertrauensbildender Maßnahmen umzusetzen.

In einem letzten Tagesvortrag stellte Dipl.-Ing. Klaus-Dieter Abraham, Mitglied des BBIK-Vorstandes und Geschäftsführer der VIC-Unternehmensgruppe Potsdam, die 2013 fertig gestellte „Waldschlösschenbrücke“ über die Elbe in Dresden vor.

Dies war zum Ende der Vorträge dann noch ein Ingenieurthema mit ausgesprochenem Praxisbezug, das mit großem Interesse verfolgt wurde. War doch die rd. 16-jährige Zeit der Planung und Bauausführung von vielen kontroversen Aktivitäten begleitet, die den Bauablauf mehrfach behinderten und das vorher von Prof. Hommerich dargestellte Thema der Vertrauensbildung durch ein praktisches Bauvorhaben beispielhaft ergänzte. Trotz vieler Behinderungen, die bis zur Fertigstellung des Bauwerks immer wieder vorkamen, wurden die prognostizierten Kosten eingehalten.

 

Podiumsgespräch

Nach diesem ausgefüllten Vormittagsprogramm gab es dann noch eine Podiumsdiskussion, an der die Mitglieder der drei großen Landtagsfraktionen Manfred Richter (SPD), Rainer Genilke (CDU), Axel Henschke (Linke) sowie dem Präsidenten der BIngK, Hans-Ulrich Kammeyer, teilnahmen und die wiederum durch Kammerpräsident Krebs moderiert wurde.

Hier standen mehr die politischen Themen im Vordergrund, steht Brandenburg doch kurz vor den Landtagswahlen. Zuvor hatten alle Landtagsfraktionen die Wahlprüfsteine des Ingenieurrates erhalten.

Diese wurden unter Federführung der BBIK in mehreren Beratungen mit Ingenieurvereinen und –verbänden erarbeitet und sollen den Parteien in ihrem Wahlkampf Hinweise auf aktuelle Probleme aus ingenieurtechnischer Sicht geben. Außerdem hatten verschiedene Teilnehmer des Ingenieurkammertages ganz direkte Fragen an die Podiumsteilnehmer gestellt, in einer Themenbreite von Zukunft der Ingenieure und ihrer Kammer, Großflughafen BER, Planungen der Infrastruktur bis hin zu Bauordnung und Nachbarschaftsrecht.

Von den Teilnehmern gab es durchweg positive Bewertungen dieses 19. Ingenieurkammertages. Unsere polnischen Gäste erklärten sogar, dass sie auch in ihren Kammern eine solche Fachtagung mit ähnlichen Grundsatzthemen anregen wollen.

Alles in allem eine gelungene Veranstaltung, wie die Mehrzahl der Anwesenden in schriftlichen Bewertungen bestätigten. Allen Mitwirkenden und Organisatoren sei hiermit nochmals ausdrücklich gedankt!

Auch im nächsten Jahr wird es wieder einen Kammertag für Ingenieure geben, welcher voraussichtlich im Juni stattfindet. Schon jetzt sind alle Mitglieder dazu eingeladen und können dafür Themenvorschläge einreichen.

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