www.bbik.de » Archiv » Mitteilungen » Liste » Mitteilungen 2014 » Liste » 20. Ingenieurkammertag - Lärm verändert Landschaft!

20. Ingenieurkammertag - Lärm verändert Landschaft!

Nach seiner Eröffnungsrede zeichnete der Präsident der BBIK, Dipl.-Ing. Matthias Krebs, langjährige und verdienstvolle Kammermitglieder aus. Zu den mit einer Ehrennadel in Bronze ausgezeichneten Kollegen gehören: Dipl.-Ing. (FH) Gisela Krallert, Dipl.-Ing. Matthias Friedrich sowie Klaus-Dieter Pohl vom Ministerium für Bildung, Jugend und Sport. Mit der silbernen Ehrennadel wurde Kollege Dr.-Ing. Peter Baum ausgezeichnet. Die Goldene Ehrennadel erhielt Dipl.-Ing. Uwe Ditz.

Staatsekretär Rainer Brettschneider betonte für die Landesregierung in seinem Grußwort wie wichtig der Lärmschutz für die Umwelt ist und wie sich immer mehr die Landesregierung auf diese Thematik als Ganzes fokussiert. Die Auswirkungen von Lärm auf die Gesundheit der Menschen sind auch in der Politik angekommen.

In bewährter Weise übernahm Prof. Dr.-Ing. Dirk Werner die Moderation, der zugleich einen sehr nachvollziehbaren Einführungsvortrag hielt und den Zuhörern schon einen Vorgeschmack über die Subjektivität von Lärm an Hand der Wahrnehmungsskala gab.

In seinem Vortrag über Möglichkeiten einer modernen Stadt- und Verkehrsplanung zeigte Dipl.-Ing. Christian Hecht von der Hoffmann/Leichter Ingenieurgesellschaft mbH, die planerischen Möglichkeiten auf mit denen vorhandener Lärm erfasst werden kann und wie in der Planungsphase schon Lärmquellen erfasst und mit in die Planung einbezogen werden. So wird u.a. der BGH zitiert, der da feststellt, dass Kinderlärm zum Leben gehört und ihnen das Spielen nicht verboten werden kann. Dieses bedeutsame Urteil zog sich durch mehrere Vorträge.

Ein sehr interessanter Vortrag kam von Erhard Michel, der sich mit den Lärmminderungsmaßnahmen des rollenden und bremsenden Schienenrades befasste. Die Deutsche Bahn AG hat ein umfangreiches Programm zur Lärmminderung aufgelegt, bei dem das Schienenrad nur einen Teil ausmacht und neben Lärmminderung an Brückenoberbauten nur der Anfang eines sehr umfangreichen Programmes zur Lärmminderung ist. Neue Bremsbeläge sollen ein aufreiben der Schienenoberfläche verhindern und so u.a. den Lärm des Schienenrades mindern. Eine Aktivität von vielen, die die DB zur Halbierung des Schienenverkehrslärms bis 2020 umsetzen möchte.

Nicht minder wichtig ist auch die Lärmminderung von Flugzeugtriebwerken. Dr. Fredi Holste von Rolls Royce in Dahlewitz erläuterte sehr anschaulich die physikalischen Abläufe eines Flugzeugtriebwerks und wie man deren Lärm ohne große Leistungsminderung der Triebwerke mindern kann. Die dargestellten Lärmminderungsziele wurden von den Teilnehmern mit Skepsis und Zustimmung gleichermaßen aufgenommen.

Viele der von den Vortragenden gezeigten Bilder hatten als Untergrund eine Flurkarte mit vielen geodätischen Angaben. Woher diese Karten kommen und wie die Daten entstehen zeigte Dipl.-Ing. Thomas Rauch von der Landesvermessung und Geobasisinformation auf. Das war eine echte Überraschung denn, dass die „Vermesser“ auch solche Daten erfassen und auswerten – damit hatten wohl die wenigsten unter den Zuhörern gerechnet. Ebenso waren schon dreidimensionale Landeskarten zu sehen. So rundet sich dann auch das Bild der Datengrundlage für die Planung ab, wodurch die Quellenlage für die vorangegangenen Vorträge offen gelegt wurde. Auf diese Quellenlage griff auch der nächste Vortragende zurück.

Das Lärm nicht nur am BER ein Thema in der Landesregierung ist, hatte schon Staatssekretär Bretschneider in seinem Grußwort erwähnt. Nun folgte ein Vortrag von Dipl.-Physiker Jens Krüsman vom Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft zu Regelungen von Umweltproblemen. Hier offenbarte sich, dass zwar viele Probleme bekannt sind, aber die Politik offensichtlich nicht in der Lage ist dem Lärmschutz die notwendige Priorität zu geben, obwohl im eigenen Hause Physiker und alle verfügbaren Daten vorhanden sind.

Nach diesen Vorträgen kamen nun die Betroffenen zu Wort. Als erster ergriff der Bürgermeister von Wittstock, Jörg Gehrmann, für seine Kommune sehr engagiert das Wort. Nicht nur das Wittstock in Randlage zum ehemaligen „Bombodrom“ liegt, sondern dass auch der dazugehörige Flugplatz eine starke und teilweise unerträgliche Lärmquelle für seine Kommune ist. Gestresst werde man auch durch den nächtlichen LKW – Verkehr, der Mautpreller. Der militärische Flugverkehr gehört der Vergangenheit an, aber die Nachnutzung hat neue Schallschutzprobleme gebracht, mit denen sich die Stadt Wittstock nun auseinandersetzten muß. Das ist keine freie Lärm-Heide geworden, sondern dort wohnen noch immer Menschen, denen der ungezwungen Freizeitlärm nicht minder zu schaffen macht. Ob Disko, Freiluftparty, Flugmodellschauen, Motocross oder sonstige Motorveranstaltungen und Events sind auch ein nicht zu unterschätzendes Lärmproblem, dem man nur Schrittweise begegnen kann. Dieser Vortrag war geradezu ein Lehrkapitel für angewandte und operative Kommunalpolitik

Als nächster legte der Bürgermeister von Rüdersdorf, Andrè Schaller die Probleme seiner Gemeinde mit dem Bergbau und der Autobahn dar. Das war ein Ausflug in die Bergbaugeschichte, dem Bergbaulärm, dem Transportlärm bis hin zum Klappern der Brückenübergänge der Autobahnbrücke inkl. des Autobahnfahrzeuglärms. Hier hakte dann der als Besucher erschienene ehemalige Chef des Landestraßenamtes Herr Reuter ein und stellte die Arbeit der Autobahnbehörde aus seiner Sicht dar. Oft wurde er dabei für sein unbürokratisches Verhalten zum Wohle der Bürger, anschließend vom Bundesfinanzhof gerügt.

Der letzte Vortrag befasste sich mit dem Lärm innerhalb von Schulen, Kitas, Sport und Mehrzweckhallen und deren Lärmabstrahlung in das benachbarte Umfeld. Dipl.-Ing. Dieter Brockmeyer vom Bau- und Akustikbüro Dahms GmbH erläuterte die komplizierten Vorgänge der Lärmreflexion in Räumen und deren Übertragung nach außen, wie auch die Wirkung und Ausbreitung von Außenlärm auf sehr anschauliche Weise. Dabei offenbarte sich, wie schon in den beiden ersten Vorträgen, dass es u.a. auch städtebauliche Fehler sind, die den Lärm zur Belästigung machen. Ebenso werden häufig Akustikplanungen erst dann veranlasst, wenn es meistens schon zu spät ist, oder nur noch mit großen Aufwand und viel Geld ein Abbehelf möglich ist.

Das folgende Podiumsgespräch verlief dann nicht minder spannend. Präsident Krebs stellte seinen Platz Herrn Reuter zur Verfügung und so diskutierten Herr Gehrmann, Herr Schaller, Herr Krüsmann mit Herrn Reuter zu den aufgeworfen Problemen und beantworteten einige Fragen aus dem Auditorium.

Der Kammertrag zeigte sehr deutlich die Lücken und Probleme beim Lärmschutz auf. Aber auch das an vielen Stellen schon an der Lärmminderung gearbeitet wird, jedoch die Politik noch lange nicht dem Lärmschutz den Stellenwert zuerkennt, den er verdient. Viele der Vorschriften, Erlasse und sonstigen Regularien sind untereinander nicht optimal abgestimmt.

Die DIN 4109 ist teilweise inakzeptabel und wird von der Gerichtsbarkeit stark in Frage gestellt. Die VDI Norm 4000 setzt sich immer mehr durch. Die Überarbeitung und der Inkraftsetzungsprozess der neuen DIN 4109 sind zu langsam, zu schwerfällig und werden von der allgemeinen Entwicklung überrollt. So wie wir alle von der allgemeinen Entwicklung überrollt werden.

Alle Schichten des gesellschaftlichen Lebens müssen verstärkt für den Lärmschutz wirken, sonst sind wir bald eine lärmkranke Gesellschaft. Die BBIK wird das Thema Lärmschutz im Laufe des Jahres in drei weiteren Veranstaltungen vertiefen.

Dipl.-Ing. Klaus Haake
Vorstand BBIK

 

Der 20. Ingenieurkammertag wurde im Rahmen von Kulturland Brandenburg mit Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur und des Ministeriums für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg sowie des Hauptsponsors Ostdeutscher Sparkassenverband (OSV) bzw. mit den brandenburgischen Sparkassen und der Investitionsbank des Landes Brandenburg gefördert.

 

Energieeffizienzexperten

Newsletter-Anmeldung

Mitgliederlogin

Bitte geben Sie nur die ersten 5 Ziffern Ihrer Mitgliedsnummer ein.

Sie sind noch nicht Mitglied der BBIK?

Mitglied werden

Weiterbildung

Hier finden Sie unsere Veranstaltungen.

zur Übersicht