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Das höchste strohballengedämmte Holzhaus Europas

Vor Ort konnten wir uns über das authentische Engagement für nachhaltiges Bauen überzeugen. In Verden ist nachhaltiges und ökologisches Bauen nicht nur ein Schlagwort, es wird praktiziert.

Das Netzwerk wurde 2011 gegründet. Es ist ein Zusammenschluss von Handwerksfirmen, Planern und Fachverbänden. Alleiniger Gesellschafter ist das bereits seit 1996 existierende „Ökologische Zentrum Verden e.V.„.

Dieses Netzwerk wird der Betreiber des Kompetenzzentrums sein. Beim Besuchstermin liefen die letzten Bauaktivitäten auf Hochtouren. Trotzdem durften wir es besichtigen.

Das Kompetenzzentrum ist ein Modelobjekt. Ein Neubau der Bauwerksklasse 5. Es bietet mit seinen 1.800 m² Nutzfläche genügend Platz zur Ansiedelung und Gründung von Fachplanungsbüros, Fachverbänden und Dienstleistern der Region sowie Ausstellungen im Bereich Nachhaltiges Bauen. Der Baubeginn des Kompetenzzentrums war im Herbst 2012. Die Fertigstellung erfolgte im Sommer 2014. Mit der Eröffnung des Kompetenzzentrums startet die Ausstellung „Nachhaltiges Bauen -Erleben“.

Das Gebäude selbst ist das eindrucksvollste Präsentationsobjekt dieser Ausstellung. Es ist mit seinen fünf Geschossen das höchste strohballengedämmte Holzhaus Europas. Die Außenfassade wurde mit Kalkputz versehen und mit Naturfarben mehrfarbig beschichtet.

Erstmalig wurden bundesweit vorgefertigte Strohballenbauteile mit einer "Bauaufsichtlichen Zulassung" verwendet. Der Begriff Strohballenhaus wird zukünftig einer Veränderung unterzogen.

Dieses Gebäude ist in die Kategorie Nichtwohngebäude einzuordnen. Mit den Büro-, Schulungs- und Ausstellungsräumen waren erheblich hohe Brandschutzanforderungen zu beachten. Sie mussten als eine technisch sichere und wirtschaftlich machbare Baukonstruktion ausgeführt sein. Bei der Errichtung des Gebäudes wurde sehr großes Augenmerk auf die Verwendung von natürlichen und wohngesunden Materialien wie z.B. Lehmputz, Kalkputz, Holz usw. gelegt.

Auch die Panoramaglasfassade wurde unter dem Aspekt der Energieeffiziens realisiert. Die Holz-Glas-Verbundelemente von „UNI-Glas“ sind ein neu entwickeltes Produkt.

Für diese Glasfassade wurde auf Metallrahmen verzichtet, die mit einem hohen Energieaufwand produziert werden. Dafür ist eine speziell verzahnte Birkenkoppelleiste auf den Rand des Isolierglases aufgeklebt. Die einzelnen Fensterelemente werden anschließend direkt über diese Koppelleisten mit dem tragenden Brettschichtholz der Unterkonstruktion verschraubt. Abschließend wird die Wetterfuge mit Silikon verschlossen. So entsteht eine flächenbündige Glasfassade, welche einen U-Wert von Uw=0,7 W/m²K aufweist und somit dem Passivhausniveau entspricht.

Nicht nur die Glasfassade sondern das gesamte Gebäude erreicht Passivhaus-Energiestandard für Nichtwohngebäude. Es bietet zugleich winterlichen und sommerlichen Wärmeschutz mit einer den verwendeten Naturbaustoffen und deren bauphysikalischen Eigenschaften angepassten Gebäudetechnik.

Dieses Energieniveau wird nicht nur durch den Einsatz nachwachsender und natürlicher Rohstoffe und der innovativen Fassadengestaltung erreicht, sondern auch durch den Einsatz einer innovativen Haustechnik.

Die Heizung erfolgt über einen Solar-Eis-Speicher. In der warmen Jahreszeit wird die gewonnene Wärme in großvolumigen Wassermengen auf niedriger Temperatur gespeichert und in der kalten Jahreszeit über Wärmepumpen dem Heizungssystem zugeführt. Ihm sind die auf dem Dach aufgestellten Solar-Luft-Kollektoren vorgeschaltet.

Der Vorteil zu herkömmlichen Solar-Kollektoren besteht darin, dass die Solar-Luft-Kollektoren die Wärme aus der Sonne und der erwärmten Umgebungsluft aufnehmen. Das geschieht auch bei Bewölkung und diffusen Strahlungen. Überschüsse aus dem Sommer werden in den Solar- Eisspeicher eingelagert. Das Ziehen der Wärme aus der Umgebung durch die Solar-Luft-Kollektoren ermöglicht ein weiteres Novum. Über die Solar-Luft-Kollektoren wurden Elemente einer Photovoltaikanlage installiert. Damit können die Solar-Luft-Kollektoren zusätzlich die Abwärme der Photovoltaikanlage nutzen. Durch diesen Kühlungseffekt wird die Leistung der PV-Anlage erheblich gesteigert. Diese Anordnung der Anlagentechnik nutzt somit optimal den vorhandenen Platzbedarf aus.

Die PV-Anlage wird im sogenannten Mieter-Strom-Model betrieben. Das heißt, der Mieter bzw. Nutzer, kann direkt aus der PV-Anlage seinen Strom beziehen. Die Heizkosten für das Kompetenzzentrum sind so gering, dass diese gleich in die Kaltmiete einfließen. Der Aufwand, diese auf jeden Mieter aufzusplitten, wäre zu hoch.

Die Ausstattung und die Auswahl der Ausbaumaterialien, die Gebäudegeometrie und die Raumgestaltung lassen jedes Mieterherz höher schlagen. Großzügige Belichtung, die Verwendung von Echtholztüren- und Fensterleibungen sowie der inneren Echtholzsohlbänke geben den Räumen eine gediegene angenehme Atmosphäre. Für den Innenputz wurde grundsätzlich Lehm verbaut.

Dem Kompetenzzentrum ist eine Ausbildungs- und Forschungswerkstatt angegliedert. In dieser Werkstatt wurden zum Beispiel die Wandelemente für den Bau des Kompetenzzentrums entwickelt und hergestellt. Man ist auch bemüht, die Herstellung vorgefertigter Wandelemente immer weiter zu entwickeln. Es wird an der Herstellung einer Vorhangfassade aus Strohballen gearbeitet, um eine sinnvolle nachträgliche Dämmung aus nachwachsenden Rohstoffen zu ermöglichen. Die momentane manufakturmäßige Fertigung soll zukünftig in eine "industrielle Fertigung" münden.

Das Kompetenzzentrum bietet Personen und Fachfirmen die Möglichkeit für Informationen, für Fortbildung und auch Durchführung von Workshops im Bereich Strohballen–und Lehmbau.

Die Fachsektion NEU der BBIK strebt eine engere Kooperation an. Parallel laufen entsprechende Gespräche mit dem im Brandenburger Feldheim vor kurzem eröffneten "Neue Energien Forum". Im Ergebnis sollen die bereits realisierten Technologien einem breiteren Fachpublikum sowie kommunalen und privaten Bauherren vorgestellt und erläutert werden. Gemeinsam mit den Kooperationspartnern der BBIK kann das NEF in Feldheim das Brandenburger Kompetenzzentrum werden, wo auch viele unserer zukünftigen Veranstaltungen der Reihe "Nachhaltiges Bauen" stattfinden sollten.

 

Stephan Thude Leiter Fachsektion NEU der BBIK
Petra Brüggemann Projektmanagerin Bioenergie-Region-Ludwigsfelde

 

Energieeffizienzexperten

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