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Sachverständigenrecht

Sachverständiger ist nicht gleich Sachverständiger: Ein Überblick zu den wichtigsten Unterschieden 

Die Bezeichnung "Sachverständiger" ist als einfache Berufs- bzw. Tätigkeitsbezeichnung nicht besonders geschützt. Daraus folgt, dass sich grundsätzlich jeder, der auf einem bestimmten Gebiet über Kenntnisse und Erfahrungen zu verfügen vorgibt, welche er vermarkten will, als "Sachverständiger" bezeichnen darf.

Um dennoch eine Unterscheidung zwischen einfachen und besonders qualifizierten Sachverständigen zu ermöglichen, haben der Gesetzgeber aber auch private Verbände und sonstige Vereine verschiedene Prüfungsverfahren entwickelt, die zu diversen Zusatzbezeichnungen, wie z.B. "anerkannt", "öffentlich bestellt", "vereidigt", "zertifiziert" "TÜV- oder DEKRA-Sachverständiger" berechtigen sollen. Zum besseren Verständnis sind hier vier Gruppen zu unterscheiden:

  1. öffentlich bestellte und vereidigte (ö.b.u.v.) Sachverständige
    Die ö.b.u.v. Sachverständigen sind speziell in § 36 GewO geregelt. Ihre Ernennung ist an sehr strenge Voraussetzungen geknüpft. Sie müssen vor allem ihre besondere (d.h. überdurchschnittliche) Sachkunde i.d.R. im Rahmen einer mündlichen, schriftlichen, teilweise auch praktischen Fachkundeüberprüfung durch ein unabhängiges Gremium und ihre persönliche Integrität nachweisen. Sie werden nur von bestimmten staatlichen / öffentlich-rechtlichen Stellen (z.B. Behörde, Kammern) ernannt. So ist auch die Brandenburgische Ingenieurkammer für die Ernennung von ö.b.u.v. Sachverständigen zuständig.  
     
  2. amtlich oder staatlich anerkannte Sachverständige
    Die amtlich anerkannten Sachverständigen werden aufgrund besonderer, oftmals landesgesetzlicher Bestimmungen in bestimmten Bereichen hoheitlich tätig, indem sie z.B. periodische Sicherheitsprüfungen durchführen. Auch deren Ernennung ist an strenge Voraussetzungen, verbunden mit teils aufwendigen Prüfungsverfahren, geknüpft und erfolgt ebenfalls über staatliche / öffentlich-rechtliche Stellen.
  3. Sachverständige einer akkreditierten oder anderweitig zertifizierten Stelle
    Durch die DIN EN ISO/IEC 17024 wird geregelt, dass bestimmte, akkreditierte Stellen ebenfalls Personen zertifizieren können, die dann als Prüfer oder Sachverständige unter bestimmten Voraussetzungen und nach bestimmten Vorgaben tätig werden dürfen. Öffentlich-rechtliche Kontrollen und gesetzlich vorgeschriebene Qualitätsstandards gibt es hier jedoch nicht. Deshalb haben die für die öffentliche Bestellung zuständigen Kammern zusammen mit Verbänden und Prüforganisationen im Institut für Sachverständigenwesen e.V. in Köln ein Zertifizierungssystem nach DIN EN ISO/IEC 17024 auf hohem Niveau für öffentlich bestellte und nicht bestellte Sachverständige eingerichtet. Inzwischen gibt es weitere akkreditierte Zertifizierungsstellen, die Sachverständige in gleicher Weise zertifizieren wie das IfS.
    Daneben wird die "Zertifizierung" als gesetzlich nicht geschützter Begriff, aber leider auch von anderen Anbietern verwendet, welche keine oder nur geringe Anforderungen an die zu zertifizierenden Personen stellen. Soweit ein Sachverständiger mit einer bestimmten "Zertifizierung" wirbt, sollte der Wert derselben daher immer genau überprüft werden.
  4. selbsternannte oder verbandsanerkannte  Sachverständige
    Wie bereits oben schon erwähnt, ist der Begriff „Sachverständiger“ lediglich eine einfache Berufs- bzw. Tätigkeitsbezeichnung, die nicht besonders gesetzlich geschützt ist. Somit kann sich jeder, der meint, er verfüge auf einem bestimmten Gebiet über besondere Sachkunde, als Sachverständiger bezeichnen und tätig werden. An besondere Voraussetzungen ist dies nicht geknüpft. Selbstverständlich unterliegen aber auch diese Sachverständigen den einschlägigen gesetzlichen Vorschriften, wie zum Beispiel dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG). Wer also als Sachverständiger auf dem Markt wirbt, tatsächlich aber nicht über eine besondere und herausragende Sachkunde verfügt, handelt im Zweifel wettbewerbswidrig und kann sich strafbar machen. 

  

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