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Die hohe Kunst der Deckensanierung im Neuen Palais Potsdam

Der Hohenzollernherrscher verweigerte trotz eindringlicher Mahnungen seiner Baumeister eine stützende Gewölbekonstruktion im Grottensaal, die die 90 Tonnen schwere Decke sicher getragen hätte. Stattdessen wünschte er eine Holzbalkendecke, die sich über 18 Meter von einem Ende des Raumes zum anderen spannt. Diese Entscheidung rächte sich allerdings nicht erst in unserer Zeit.

Schon knapp acht Jahre nach Fertigstellung musste die Decke saniert werden. Die Balken waren nass verbaut worden, das Mauerwerk nahm dem Holz jegliche Luft zum Atmen. Es wurden zusätzliche Balken verbaut, jeweils zwischen die alten. Dieses Mal trocken und mit Lufträumen im Mauerwerk, wo sämtliche Balken verankert sind. Die Tragfähigkeit wurde jedoch in den Folgejahren immer wieder getestet und so wurde berichtet, dass vor jedem großen Fest im Marmorsaal die Bediensteten über die Fläche geschickt wurden, um zu sehen, ob denn die Decke auch noch hält. Die Schäden blieben nicht aus und so wurden schon in den 40er-Jahren des letzten Jahrhunderts Messungen an der Decke vorgenommen um zu erkennen, ob denn diese noch bestimmten Belastungen standhält.

2008 stellte die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten fest, dass der Marmorsaal-Fußboden, und dadurch auch die Grottensaaldecke, stark beschädigt waren. So sehr, dass ihre Tragfähigkeit in Zweifel stand. Es musste saniert werden.
Wegen schwerwiegender Schäden an der historischen Holzdeckenkonstruktion wurde eine technisch besonders anspruchsvolle Sanierung der barocken Deckenbereiche zwischen dem Marmorsaal und dem darunterliegenden Grottensaal erforderlich. Dieser Herausforderung stellte sich das Architekturbüro Petersen aus Berlin und für die Tragwerksplanung das Ingenieurbüro Dr. Krämer GmbH aus Weimar.

Nach aufwändiger Anamnese und Diagnose entwickelten die Tragwerksplaner ein Sanierungskonzept für die Holzdeckenkonstruktion, dass die Erhaltung des wertvollen Fußbodens über der Decke und dem Grottensaal darunter möglich machte. Hier kamen auch Methoden der experimentellen Tragwerksanalyse zum Einsatz. In einer außergewöhnlichen ingenieurtechnischen Leistung wurden die Deckenbalken in einem schmalen Zwischenraum unter dem 90 t schweren Marmorfußboden saniert.

Für die Baumaßnahmen wurde der Fußboden lediglich punktuell geöffnet. Eingriffe in die darunterliegende Grottensaaldecke mussten nicht vorgenommen werden. Mithilfe einer ausgeklügelten Stahlkonstruktion stellte man die Balken lastfrei und überwachte sie messtechnisch.
Unter räumlich extrem beengten Bedingungen wurden insbesondere die stark geschädigten Auflagerbereiche der Holzkonstruktion mit Hilfe von Prothesen behutsam ergänzt. Für die Verbindung von Altholz und Prothese gelangten eingeklebte Gewindestangen zum Einsatz, deren Leistungsfähigkeit im Versuch untersucht wurde.
Jeder Gast konnte sich sehr gut vorstellen, welch anstrengende und beengte Arbeit dies gewesen sein musste.

Für die Bauausführung mussten die Verhinderung von Staubentwicklung, die Vermeidung von Erschütterungen während der Baumaßnahmen und das Arbeiten in Schutzausrüstungen in kontaminierten Bereichen bedacht werden. Die Instandsetzung des Marmorfußbodens und der Grottensaaldecke durch die Restauratoren erfolgte zur gleichen Zeit. Die Sanierung der geschädigten Decken wurde durch bauliche und organisatorische Maßnahmen ergänzt, um die Nutzung der beiden Säle und die Begehbarkeit für Besucher langfristig zu ermöglichen.

Durch eine Glasbrücke, auf der die Besucher über den Saal geleitet werden, wird die Verkehrslast reduziert und gleichzeitig der Boden geschützt.
Diese außergewöhnliche ingenieurtechnische Leistung wurde im Hinblick auf Anspruch und Methodik von Planung und Durchführung mit einem Sonderpreis ausgezeichnet. Insbesondere wird die tragwerksplanerische Lösung, die außergewöhnlich sensible Technik der Sanierung und die Qualität der Auseinandersetzung mit dem reichen, historischem Erbe der Kulturlandschaft Brandenburgs gewürdigt.

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg erläuterte den Gästen vor Ort sehr anschaulich die Deckensanierung. Handwerker und Denkmalschützer führten den Besuchern vor, welche der Baustoffe zu damaliger und heutiger Zeit in Einsatz kamen und wie diese vor Ort bearbeitet wurden.

Im Anschluss berichteten die beiden Büros Petersen und Krämer  anhand von Bildmaterial und in einem Podiumsgespräch ausführlich über die Herausforderungen und Erfahrungen, welche ihnen bei der Sanierung begegneten.

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