Brandschutz in kritischen Infrastrukturen: Schutz lebenswichtiger Systeme
Kritische Infrastrukturen bilden das Rückgrat unserer Gesellschaft. Einrichtungen wie Krankenhäuser, Energieversorger, Kommunikationsnetze oder Wasserwerke versorgen Bevölkerung und Wirtschaft mit lebenswichtigen Leistungen. Ein Brand in solchen Einrichtungen gefährdet nicht nur Menschenleben, sondern kann auch zu weitreichenden Ausfällen und Unterbrechungen wichtiger Dienste führen. Ein Stromausfall in einem Krankenhaus oder ein Brand in einem Rechenzentrum kann lebensrettende Operationen verzögern oder digitale Systeme lahmlegen.
Der Brandschutz in diesen Bereichen ist daher ein zentraler Bestandteil der nationalen Sicherheitsstrategie.
Die zunehmende Digitalisierung bringt zusätzliche Herausforderungen. Vernetzte Brandschutzsysteme können theoretisch über Cyberangriffe manipuliert oder außer Betrieb gesetzt werden. Solche Bedrohungen betreffen nicht nur große Einrichtungen, sondern auch kleine und mittlere Unternehmen, die an kritische Netzwerke angeschlossen sind. Eine enge Verzahnung von Brandschutzmaßnahmen und IT-Sicherheit ist deshalb unerlässlich.
Die Abhängigkeiten zwischen kritischen Infrastrukturen und anderen Branchen erhöhen die Komplexität. Ein Ausfall in einem Bereich kann Dominoeffekte auslösen. Beispielsweise führt ein großflächiger Stromausfall nicht nur zu Problemen in Energieversorgungsanlagen, sondern beeinträchtigt auch Tankstellen, Logistiksysteme und Lieferketten. Selbst kleine Störungen in sensiblen Bereichen können erhebliche Auswirkungen haben. Der großflächige Stromausfall in Berlin Anfang des Jahres, ist dafür ein aktuelles Beispiel.
Die Bedrohungen für kritische Infrastrukturen reichen von Bränden, Unfällen und Naturereignissen über Sabotage und Terror bis zu Cyberangriffen. Vollständige Vermeidung solcher Risiken ist nicht möglich. Daher liegt der Schwerpunkt auf der Resilienz – der Fähigkeit von Systemen, Störungen zu widerstehen oder ihre Funktionalität schnell wiederherzustellen.
Auf europäischer Ebene gibt es bereits zwei Richtlinien, die den Schutz kritischer Einrichtungen stärken. Die CER-Richtlinie (Critical Entities Resilience) verpflichtet Mitgliedstaaten, kritische Einrichtungen zu identifizieren und deren physische Widerstandsfähigkeit zu erhöhen. Die NIS2-Richtlinie zielt auf die Verbesserung der IT-Sicherheit ab und reagiert auf die wachsenden Cyberrisiken.
Effektiver Brandschutz in kritischen Infrastrukturen erfordert daher eine ganzheitliche Perspektive. Nur durch die Zusammenarbeit von Brandschutzfachleuten, IT-Sicherheitsspezialistinnen und -spezialisten sowie den Betreibern kritischer Einrichtungen lässt sich ein hohes Maß an Sicherheit und Resilienz erreichen. Der Bundesverband Technischer Brandschutz (bvfa) hat dazu praxisnahe Konzepte, Merkblätter und Positionspapiere entwickelt. Die Ausgabe des Fachmagazins Brandschutz Kompakt (Nr. 67, März 2025) bündelt dieses Fachwissen und steht kostenfrei auf der Website des bvfa als PDF zur Verfügung.
