Kreislaufwirtschaft im Bauwesen: Strategien für Dämmsysteme, Putz und Mörtel
Die 2023 veröffentlichte Studie Strategien für den Umgang mit Dämmsystemen, Putz und Mörtel nach der Nutzungsphase untersucht erstmals systematisch, wie Produkte der beteiligten Hersteller heute rückgebaut, wiederverwendet oder recycelt werden. Im Fokus stehen Putze, Mörtel und Wärmedämm Verbundsysteme sowie deren spezifisches Materialverhalten am Ende der Nutzungsphase. Das Fraunhofer Institut für Bauphysik analysierte dabei bestehende Stoffströme und ordnete diese in die aktuellen regulatorischen Rahmenbedingungen ein.
Aspekte wie Verpackungen bei Herstellung und Verarbeitung waren nicht Gegenstand der Untersuchung. Auf Basis der Ergebnisse wurden sieben zentrale Handlungsfelder identifiziert. Dazu zählen das Neudenken von Produkten, Wiederverwendung und Reparatur, Recycling, Abfallvermeidung, der Umgang mit Reststoffen sowie Umweltauswirkungen und das Langzeitverhalten von Bauprodukten. Für jedes dieser Felder formuliert die Studie praxisnahe Empfehlungen, die sowohl Industrie als auch Politik adressieren.
Vom Status quo zu konkreten Handlungsfeldern
Die 2024 erschienene Publikation Ressourcen der Zukunft für Dämmsysteme, Putz und Mörtel greift die Erkenntnisse der Studie auf und vertieft sie in einem Nachhaltigkeitsbericht. Im Mittelpunkt stehen drei übergeordnete Handlungsfelder.
Der Bereich Erhalt fokussiert sich auf Maßnahmen zur Abfallvermeidung, zur Weiterverwendung und Reparatur bestehender Systeme sowie auf die Reduzierung von Umweltauswirkungen. Eine zentrale Rolle spielt hier das Langzeitverhalten von Bauprodukten, da eine verlängerte Nutzungsdauer einen wesentlichen Beitrag zur Ressourcenschonung leisten kann.
Unter dem Stichwort Rückgewinnung werden Recyclingprozesse, der gezielte Einsatz von Rezyklaten und die Verwertung von Reststoffen betrachtet. Dabei wird deutlich, dass technische Machbarkeit, wirtschaftliche Rahmenbedingungen und regulatorische Vorgaben eng miteinander verknüpft sind.
Das dritte Handlungsfeld Produkte neu denken richtet den Blick auf die frühe Phase der Produktentwicklung. Bauprodukte sollen von Beginn an so konzipiert werden, dass sie langlebig, rückbaubar und für eine hochwertige Wiederverwendung oder stoffliche Verwertung geeignet sind. Für Ingenieurinnen und Ingenieure bedeutet dies, Aspekte der Kreislaufwirtschaft stärker in Planung, Ausschreibung und Ausführung zu integrieren.
Rahmenbedingungen für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft
Abschließend benennen die Autorinnen und Autoren Voraussetzungen für eine wettbewerbsfähige und branchenorientierte Kreislaufwirtschaft. Neben verlässlichen rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen wird ein ganzheitlicher Blick auf den gesamten Produktlebenszyklus gefordert. Ebenso wichtig ist die Akzeptanz von wiederverwendeten und recycelten Baustoffen bei allen am Bau Beteiligten.
Für die Ingenieurpraxis liefern die beiden Publikationen wertvolle Anknüpfungspunkte. Sie zeigen, wo technische Potenziale bereits heute vorhanden sind und an welchen Stellen weitere Forschung, Normung und Anpassungen in Planung und Baupraxis notwendig sind. Damit leisten sie einen sachlichen und fundierten Beitrag zur Weiterentwicklung der Kreislaufwirtschaft im Bauwesen.
Die Studie sowie der Nachhaltigkeitsbericht stehen kostenfrei als PDF zur Verfügung. Der Nachhaltigkeitsbericht ist zusätzlich in gedruckter Form erhältlich.
