Nachhaltiger Gebäudebetrieb im Fokus: Das überarbeitete DGNB System 2026
Mit der neuen Version ihres Zertifizierungssystems für Gebäude im Betrieb setzt die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen einen klaren Schwerpunkt auf den Bestand. Die Fassung 2026 reagiert auf verschärfte regulatorische Anforderungen und richtet sich gezielt an Eigentum und Betrieb von Bestandsimmobilien.
Ziel ist es, den nachhaltigen Betrieb systematisch zu erfassen, zu bewerten und kontinuierlich zu verbessern.
Bestand als zentraler Hebel der Transformation
Während Nachhaltigkeitsstrategien im Bauwesen lange stark auf den Neubau ausgerichtet waren, liegt das größte Potenzial zur Emissionsminderung im vorhandenen Gebäudebestand. Bestehende Gebäude verursachen einen erheblichen Anteil des Energieverbrauchs und der CO₂-Emissionen im Gebäudesektor. Entsprechend setzt das überarbeitete DGNB System beim Ist Zustand an.
Erfasst werden unter anderem Energie- und Ressourcenverbräuche, betriebsbedingte Kosten sowie Auswirkungen auf Umwelt und Nutzende. Diese Datengrundlage ermöglicht eine strukturierte Analyse und Priorisierung von Maßnahmen. Ziel ist keine punktuelle Optimierung, sondern ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess. Methodisch orientiert sich das System am Prinzip des Plan Do Check Act Zyklus, das aus dem Qualitätsmanagement bekannt ist und eine iterative Weiterentwicklung von Betriebsprozessen unterstützt.
Steuerungsinstrument für den laufenden Betrieb
Im Unterschied zu klassischen Zertifizierungen für Neubau oder umfassende Sanierungen richtet sich das DGNB System explizit auf den Gebäudebetrieb. Im Mittelpunkt stehen reale Betriebsdaten und deren Entwicklung über die Zeit. Auf dieser Basis können objektspezifische Strategien entwickelt werden, die eine schrittweise Annäherung an Klimaneutralität ermöglichen.
Für Planende und Betreibende entsteht damit ein praxisnahes Instrument zur Steuerung von Immobilien. Die systematische Datenerfassung verbessert die Entscheidungsgrundlagen für Investitionen und Instandhaltungsmaßnahmen. Gleichzeitig lassen sich Risiken wie ineffiziente Betriebsprozesse, steigende Betriebskosten oder potenzieller Leerstand frühzeitig erkennen und bewerten.
Anschlussfähigkeit an regulatorische Anforderungen
Ein wesentlicher Aspekt der Überarbeitung ist die stärkere Ausrichtung an europäischen Vorgaben, insbesondere an der EU Taxonomie Verordnung. Diese definiert Kriterien, nach denen wirtschaftliche Aktivitäten als nachhaltig eingestuft werden. Für den Gebäudesektor bedeutet dies unter anderem strengere Anforderungen an Energieeffizienz, Emissionswerte und Transparenz.
Neu im System berücksichtigt sind zudem Themen wie Biodiversität, die im Kontext nachhaltiger Standort- und Flächenentwicklung zunehmend an Bedeutung gewinnen. Ergänzend kann weiterhin eine ESG Verifikation erfolgen, die Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekte eines Gebäudes dokumentiert und bewertet.
Internationale Vergleichbarkeit und praktische Relevanz
Das DGNB System wurde in Zusammenarbeit mit europäischen Partnerorganisationen weiterentwickelt und ist international anschlussfähig. Dadurch wird die Vergleichbarkeit von Gebäuden über nationale Grenzen hinweg verbessert. Für institutionelle Investoren und international tätige Unternehmen entsteht so eine einheitlichere Bewertungsgrundlage.
