ERKLÄRUNG | Internationaler Tag des Ingenieurwesens für nachhaltige Entwicklung

Im Jahre 2020 hat die UNESCO auf ihrer Generalkonferenz beschlossen, dem Vorschlag der World Federation of Engineering Organisations (WFEO) zu folgen und den 4. März eines jeden Jahres zum Internationalen Tag des Ingenieurwesens für nachhaltige Entwicklung zu erklären. Dieser Tag ist Gelegenheit aber auch Verpflichtung, das Ingenieurwesen und den Beitrag der Ingenieurinnen und Ingenieure zu einer nachhaltigen Welt zu würdigen.

Genauso, wie daran zu appellieren, dass nachhaltige Ingenieurleistungen keine Selbstverständlichkeit sind sondern sorgsam gefördert und gepflegt werden wollen:

"Nachhaltigkeit" - heute inflationär gebrauchter Begriff für Vieles - war schon immer für Ingenieurinnen und Ingenieure Leitmotiv. Ihn auf CO2 - Einsparung oder grünes Bauen zu reduzieren, griffe zu kurz.

Denn: Ingenieurinnen und Ingenieure erbringen ihr Werk in Verantwortung vor der Menschheit, der Umwelt und sich selbst. Ihr Schaffen dient dem Wohl und der Fortentwicklung der Gesellschaft. Nachhaltiges Planen und Bauen basiert auf einer zukunftsweisenden, vernetzten Denkweise, sucht Synergien. Wenn Planerinnen und Planer frühzeitig in die Entwicklung und Entscheidungsfindung von Projekten eingebunden werden, um eine optimale Machbarkeit und gute bauliche Umsetzbarkeit sicherzustellen, dann ist das ein Schritt zur Nachhaltigkeit.

Schon immer stehen Ingenieurinnen und Ingenieure vor der Herausforderung, gestalterische, technische, ökonomische und ökologische Ansprüche in Einklang zu bringen. Bisher ist genau das den Ingenieurinnen und Ingenieuren gut gelungen. Sie sind die Treiber des Fortschritts, unserer Zivilisation und unserer Baukultur. Ohne Ingenieurinnen und Ingenieure liefe in unserer Welt: nichts.

Ob faszinierende Brückenbauten, ein 57 km langer Eisenbahntunnel durch das Alpenmassiv, kühne 1000 m – Wolkenkratzer oder seien es "nur" energetisch optimierte Einfamilienhäuser - ohne Bauingenieurinnen und Bauingenieure alles undenkbar. Die nachhaltige Gestaltung des Lebensraumes ist die Kernkompetenz von Ingenieurinnen und Ingenieuren.

Bildung als Schlüssel

Damit sie diese anspruchsvollsten Aufgaben auch zukünftig erfüllen können, brauchen sie mehr denn je eine ganzheitliche, auf Nachhaltigkeit ausgerichtete und qualitativ hochwertige Bildung. Und zwar über die gesamte Bildungskette. Von der Grundschule bis zum Hochschulabschluss. Nachhaltiges Bauen kann man nicht als Disziplin gesondert erlernen. Ingenieurinnen und Ingenieure müssen in die Lage versetzt werden, vom Gesamtprozess so viel zu verstehen, dass sie zur Synthese und Integration unterschiedlichster Ansprüche in der Lage sind. Ob dies zukünftig bei einem MINT-Anteil (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften) von > 50% bei nur sechssemestrigen Ingenieurstudiengängen gewährleistet ist, darf nach wie vor bezweifelt werden.

Zusätzlich kontrastiert die hochgradige Individualisierung und Aufsplitterung von Bildungsgängen (es gibt über 1000 Ingenieurstudiengänge) mit der Allgemeinverbindlichkeit und Vergleichbarkeit von Abschlüssen und Titeln. Die zunehmende Unübersichtlichkeit ist intransparent und es drohen der Verlust von Unterscheidbarkeit und deshalb eine Nivellierung des Bildungsniveaus nach unten. Die Durchlässigkeit von Bildungsgängen begrüßen wir grundsätzlich, die Pflicht zur Qualitätssicherung muss aber Aufgabe des regulären Ausbildungssystems bleiben. Grundlage für Abschlüsse und Titel dürfen nicht quantitativer sondern müssen qualitativer Natur sein.

Wir in Deutschland müssen aufpassen, neben Ingenieurtalenten auch handwerkliche Talente für ein nachhaltiges Bauen zu generieren und dauerhaft zu fördern. Denn was nützt es, nachhaltig zu planen, wenn es dann bei der Umsetzung mangelt. Unser Erfolgsmodell unserer dualen Berufsausbildung, d.h. unsere Berufslehre mit ihrer Verknüpfung von Praxis in den Betrieben und schulischer Ausbildung ist in Europa fast einzigartig. Es hat sich über alle Krisen als stabil und erfolgreich erwiesen. Hüten wir uns davor, dieses Erfolgsmodell mutwillig zu gefährden (die OECD kritisiert beständig einen zu niedrigen Akademisierungsgrad), indem wir einseitig eine Akademisierung unserer dualen Berufsbildung forcieren.

>> Hier können Sie die gesammte Erklärung lesen

© Helene Souza | Pixelio
© Helene Souza | Pixelio

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