Fördermittel für das Bauen im Bestand gezielt nutzen
Der Gebäudebestand rückt zunehmend in den Mittelpunkt der Bauwende. Ein Großteil der Gebäude, die heute genutzt werden, wird auch in den kommenden Jahrzehnten Bestand haben. Die Sanierung, Modernisierung und Umnutzung bestehender Gebäude ist deshalb eine zentrale Aufgabe für Eigentümerschaft, Kommunen und Planungsbüros.
Gleichzeitig stehen viele Vorhaben vor wirtschaftlichen Herausforderungen. Förderprogramme von Bund, Ländern, Kommunen und der Europäischen Union können dazu beitragen, Investitionen zu ermöglichen und technische sowie gesellschaftliche Ziele zu erreichen.
Für Ingenieurinnen und Ingenieure gehört die frühzeitige Berücksichtigung von Fördermöglichkeiten inzwischen häufig zur Projektentwicklung. Wer Förderprogramme kennt und gezielt in die Planung integriert, kann wirtschaftliche Spielräume schaffen und die Umsetzbarkeit von Maßnahmen verbessern.
Warum Fördermittel beim Bauen im Bestand eine wichtige Rolle spielen
Bauvorhaben im Bestand sind oftmals komplexer als Neubauten. Bestehende Konstruktionen, unbekannte Bauteilzustände, technische Einschränkungen oder denkmalrechtliche Anforderungen erhöhen den Planungsaufwand. Hinzu kommen steigende Anforderungen an Energieeffizienz, Klimaanpassung und Barrierefreiheit.
Förderprogramme sollen dazu beitragen, diese zusätzlichen Anforderungen wirtschaftlich tragfähig umzusetzen. Gleichzeitig unterstützen sie politische und gesellschaftliche Ziele wie Klimaschutz, Ressourcenschonung, altersgerechtes Wohnen oder den Erhalt historischer Bausubstanz.
Förderfähig sind dabei nicht nur kommunale oder gewerbliche Projekte. Viele Programme richten sich ausdrücklich auch an private Eigentümerschaft, Wohnungseigentümergemeinschaften, Wohnungsunternehmen und gemeinnützige Organisationen.
Die wichtigsten Ebenen der Förderlandschaft
Die Förderlandschaft für Bestandsgebäude ist vielschichtig, folgt jedoch einer klaren Struktur.
Bundesförderung
Die Bundesebene bildet den Kern vieler Fördermaßnahmen. Besonders relevant ist die Bundesförderung für effiziente Gebäude, kurz BEG. Sie unterstützt energetische Sanierungen von Wohngebäuden und Nichtwohngebäuden sowie einzelne Effizienzmaßnahmen.
Wichtige Institutionen sind:
- Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
- Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen
- Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA)
- Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)
- Bundesinstitut für Bau, Stadt und Raumforschung (BBSR)
Ergänzend bestehen steuerliche Fördermöglichkeiten für energetische Sanierungen sowie spezielle Programme für Innovationen und Modellvorhaben.
Landesförderung
Die Bundesländer bieten eigene Förderprogramme an, die Bundesförderungen ergänzen können. Häufig stehen dabei zinsgünstige Darlehen, Zuschüsse für bestimmte Zielgruppen oder Programme zur Stadtentwicklung im Mittelpunkt.
In Brandenburg erfolgt die Förderung unter anderem über die Investitionsbank des Landes Brandenburg.
Kommunale Förderung
Viele Städte und Gemeinden unterstützen Maßnahmen zur Klimaanpassung, Fassadenaufwertung, Dachbegrünung oder Quartiersentwicklung. Gerade bei kleineren Projekten können kommunale Programme eine sinnvolle Ergänzung darstellen.
Europäische Förderprogramme
Die Europäische Union fördert insbesondere Modellprojekte, kommunale Vorhaben und innovative Ansätze der Stadtentwicklung. Relevante Programme sind beispielsweise EFRE, LIFE, Horizon Europe oder Interreg.
Welche Förderarten gibt es?
Fördermittel werden in unterschiedlichen Formen bereitgestellt:
- Zuschüsse, die nicht zurückgezahlt werden müssen
- Kredite mit Tilgungszuschüssen
- Steuerliche Vergünstigungen
- Beratungs und Unterstützungsleistungen für Planung und Projektentwicklung
Ein wichtiger Grundsatz gilt nahezu ausnahmslos: Der Förderantrag muss vor der Beauftragung der Maßnahme gestellt werden. Nachträgliche Förderungen sind in der Regel ausgeschlossen.
Energetische Sanierung bleibt Förderschwerpunkt
Den größten Anteil der Fördermittel nimmt weiterhin die energetische Sanierung ein. Ziel ist die Reduzierung des Energieverbrauchs sowie der Treibhausgasemissionen im Gebäudesektor.
Typische förderfähige Maßnahmen sind:
- Dämmung von Dach, Fassade und Kellerdecke
- Austausch von Fenstern und Außentüren
- Installation moderner Lüftungsanlagen
- Erneuerung von Heizungsanlagen
- Wärmepumpen und Solarthermie
- Gebäudeautomation und digitales Energiemanagement
Die Bundesförderung für effiziente Gebäude bildet dabei das zentrale Förderinstrument.
Für Einzelmaßnahmen können derzeit Investitionen von bis zu 30.000 Euro je Wohneinheit berücksichtigt werden. Liegt ein individueller Sanierungsfahrplan vor, erhöht sich die förderfähige Investitionssumme auf bis zu 60.000 Euro je Wohneinheit. Die konkrete Förderhöhe hängt von der jeweiligen Maßnahme und den geltenden Förderrichtlinien ab.
Barrierefreiheit gewinnt an Bedeutung
Der demografische Wandel erhöht die Bedeutung altersgerechter und barrierefreier Gebäude. Förderprogramme unterstützen deshalb Maßnahmen, die die Nutzbarkeit von Gebäuden verbessern.
Dazu zählen beispielsweise:
- barrierefreie Bäder
- schwellenlose Zugänge
- Türverbreiterungen
- Aufzüge und Treppenlifte
Neben Programmen der Länder stehen hierfür auch Förderangebote der KfW zur Verfügung. Da einzelne Programme haushaltsabhängig sind, sollten die aktuellen Förderbedingungen jeweils vor Antragstellung geprüft werden.
Modernisierung und Werterhalt von Bestandsgebäuden
Nicht jede Maßnahme dient unmittelbar der Energieeinsparung. Auch der langfristige Erhalt der Bausubstanz ist ein wichtiger Bestandteil nachhaltiger Bestandsentwicklung.
Förderfähig können unter anderem sein:
- Sanierung von Feuchteschäden
- Schallschutzmaßnahmen
- Erneuerung technischer Gebäudeausrüstung
- Modernisierung von Elektroinstallationen
- Anpassung von Grundrissen an neue Nutzungen
Vor allem kommunale Programme und Landesförderungen bieten hierfür interessante Finanzierungsmöglichkeiten.
Fördermöglichkeiten für Baudenkmale
Historische Gebäude stellen besondere Anforderungen an Planung und Ausführung. Gleichzeitig existieren für Denkmale umfangreiche Fördermöglichkeiten.
Neben Zuschüssen der Länder und Stiftungen spielen steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten eine wichtige Rolle. Darüber hinaus können auch energetische Maßnahmen förderfähig sein, sofern sie mit den Anforderungen des Denkmalschutzes vereinbar sind.
Für Planende ist dabei die frühzeitige Abstimmung mit den zuständigen Denkmalbehörden entscheidend.
Klimaanpassung wird zunehmend gefördert
Neben dem Klimaschutz gewinnt die Anpassung an die Folgen des Klimawandels an Bedeutung. Insbesondere Hitzeperioden und Starkregenereignisse stellen neue Anforderungen an Gebäude und Freiräume.
Förderfähig sind beispielsweise:
- Dach und Fassadenbegrünungen
- Regenwasserrückhaltung
- Entsiegelungsmaßnahmen
- Verschattungskonzepte
- Begrünte Innenhöfe
Viele Kommunen haben hierfür eigene Förderprogramme entwickelt. Ergänzend bestehen Fördermöglichkeiten auf Landes, Bundes und EU Ebene.
Die Rolle von Ingenieurinnen und Ingenieuren bei Förderprojekten
Fördermittel entfalten ihren Nutzen nur dann, wenn sie frühzeitig in die Projektentwicklung integriert werden. Ingenieurinnen und Ingenieure übernehmen dabei eine wichtige Schnittstellenfunktion zwischen Bauherrschaft, Behörden und Fördermittelgebern.
Bereits in der Vorplanung können technische Varianten entwickelt werden, die sowohl die Projektziele als auch die Anforderungen der jeweiligen Förderprogramme erfüllen. Zudem sind Nachweise, Berechnungen und Fachplanungen häufig Voraussetzung für die Bewilligung von Fördermitteln.
Eine fundierte Fördermittelstrategie kann deshalb einen wesentlichen Beitrag zur Wirtschaftlichkeit und Realisierbarkeit von Bestandsprojekten leisten.
Frühzeitige Beratung schafft Planungssicherheit
Die Förderlandschaft verändert sich kontinuierlich. Förderquoten, Antragsbedingungen und Budgets werden regelmäßig angepasst. Umso wichtiger ist eine frühzeitige Beratung.
Unterstützung bieten unter anderem:
- Energieeffizienz Expertinnen und Experten
- Ingenieur und Planungsbüros
- Förderbanken
- Kommunale Anlaufstellen
- Denkmalbehörden
- Kammern und Fachverbände
Hilfreiche Informationsangebote sind die Förderdatenbank des Bundes sowie digitale Fördermittelchecks.
Bestand zukunftsfähig weiterentwickeln
Die Transformation des Gebäudebestands ist eine der zentralen Aufgaben der kommenden Jahre. Förderprogramme leisten einen wichtigen Beitrag, um energetische Sanierungen, Barrierefreiheit, Klimaanpassung und den Erhalt wertvoller Bausubstanz wirtschaftlich umzusetzen.
Für Ingenieurinnen und Ingenieure eröffnet sich damit die Möglichkeit, technische Kompetenz und nachhaltige Planung mit den Anforderungen moderner Förderinstrumente zu verbinden. Wer Fördermöglichkeiten frühzeitig berücksichtigt, schafft bessere Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung von Projekten im Bestand und trägt gleichzeitig zur Entwicklung einer ressourcenschonenden Baukultur bei.
