30. Ingenieurkammertag der BBIK diskutiert Zukunftsthemen des Planens und Bauens
Der 30. Ingenieurkammertag der Brandenburgischen Ingenieurkammer (BBIK) hat am 16. Juni 2026 mehr als 100 Fachleute aus Planung, Bauwesen, Verwaltung und Politik nach Potsdam geführt. Im Mittelpunkt der Jubiläumsveranstaltung standen aktuelle Entwicklungen im Bauordnungsrecht, nachhaltige Bauweisen sowie die Rolle der Ingenieurschaft bei der Gestaltung zukunftsfähiger Lebensräume.
Bereits der Start des Ingenieurkammertages zeigte, was die Branche auszeichnet: Flexibilität und Lösungsorientierung. Eine Bombenentschärfung in Potsdam sorgte am Morgen für Unsicherheit und organisatorische Herausforderungen. Dennoch konnte die Veranstaltung wie geplant stattfinden und bot den Teilnehmenden einen intensiven fachlichen Austausch zu den zentralen Themen des Planens und Bauens.
Austausch zwischen Ingenieurkammer und Landespolitik
Ein wichtiges Signal setzte der Besuch von Infrastrukturstaatssekretär Volker Gerd Westphal. In seinem Grußwort würdigte er die Arbeit der Brandenburgischen Ingenieurkammer und betonte die Bedeutung des engen Dialogs zwischen Ingenieurschaft und Landesregierung.
Im Fokus standen dabei die geplante Weiterentwicklung des Brandenburgischen Ingenieurgesetzes sowie die Novellierung der Brandenburgischen Bauordnung. Beide Vorhaben werden die Rahmenbedingungen für Planung und Bauausführung in Brandenburg in den kommenden Jahren maßgeblich beeinflussen.
Aktuelle Entwicklungen im Bauordnungsrecht und Bauplanungsrecht
Den fachlichen Auftakt gestaltete Dr. iur. Udo Moewes, Vorsitzender des Eintragungsausschusses der BBIK. Er informierte über aktuelle Entwicklungen im Bauordnungsrecht und Bauplanungsrecht sowie über die laufenden Gesetzgebungsverfahren auf Landes- und Bundesebene.
Im Mittelpunkt standen die geplante Novelle der Brandenburgischen Bauordnung, die Positionen der Brandenburgischen Ingenieurkammer, der Brandenburgischen Architektenkammer und des Fördervereins Baukultur Brandenburg sowie die Auswirkungen der bundesweiten Diskussion um den sogenannten Bauturbo.
Deutlich wurde dabei das Spannungsfeld zwischen dem politischen Ziel einer Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren und den Anforderungen an Qualität, Sicherheit und nachhaltige Baukultur. Die Brandenburgische Ingenieurkammer setzt sich weiterhin dafür ein, bewährte Qualitätssicherungsinstrumente wie das Vier Augen Prinzip insbesondere bei anspruchsvollen Bauvorhaben zu erhalten.
Darüber hinaus wurden die geplante Novelle des Baugesetzbuches, der Gebäudetyp E, das Gebäudemodernisierungsgesetz sowie aktuelle Förderprogramme des Bundes vorgestellt und diskutiert.
Nachhaltiges Bauen und innovative Baustoffe im Fokus
Nach dem gemeinsamen Auftakt vertiefte sich das Programm in zwei parallel stattfindenden Fachforen.
Im Forum „Wasser und Luft“ standen nachhaltige Gründungskonstruktionen, moderne wasserundurchlässige Betonsysteme sowie Erfahrungen aus dem seriellen Sanieren im Mittelpunkt. Die Beiträge verdeutlichten, dass Ressourceneffizienz, Energieeinsparung und Dauerhaftigkeit heute wesentliche Anforderungen an zeitgemäße Planungsprozesse sind.
Das Forum „Erde und Feuer“ widmete sich dem Einsatz traditioneller und innovativer Baustoffe sowie aktuellen Fragestellungen des Brandschutzes. Besonders großes Interesse fand der Lehmbau. Die vorgestellten Projekte zeigten, wie traditionelle Baustoffe durch moderne Ingenieurmethoden neue Anwendungsfelder erschließen und einen Beitrag zu klimaverträglichen Bauweisen leisten können.
Ingenieurkompetenz für die Herausforderungen der Zukunft
Der Ingenieurkammertag machte deutlich, dass technische Planung heute weit über einzelne Fachdisziplinen hinausgeht. Ingenieurinnen und Ingenieure entwickeln Lösungen für Wohnungsbau, Infrastruktur, Energiewende, Klimaanpassung und Digitalisierung. Gleichzeitig bewegen sie sich zunehmend an der Schnittstelle zwischen Technik, Recht, Nachhaltigkeit und gesellschaftlichen Anforderungen.
Der hohe Informationsbedarf und die intensive Diskussion unter den Teilnehmenden unterstrichen die Bedeutung des Ingenieurkammertages als Plattform für Wissenstransfer, Vernetzung und fachlichen Austausch.
Ingenieurkultur als Teil der Baukultur
Eine besondere Anerkennung erhielt in diesem Jahr auch die gestalterische Begleitung der Veranstaltung. Das Potsdam Museum nimmt die Veranstaltungsplakate des Ingenieurkammertages in seine Sammlung „Plakate und Gebrauchsgrafik“ auf.
Die Aufnahme in die Sammlung verdeutlicht die enge Verbindung zwischen Ingenieurkultur, Baukultur und öffentlicher Wahrnehmung. Sie zeigt zugleich, dass technische Leistungen und ihre Kommunikation einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Diskussion über die gebaute Umwelt leisten.
Erfolgreicher Jubiläumskammertag in Potsdam
Mit seinem breiten Themenspektrum, den hochkarätigen Fachvorträgen und den zahlreichen Gesprächen bot der 30. Ingenieurkammertag der Brandenburgischen Ingenieurkammer erneut eine wichtige Plattform für die Ingenieurschaft in Brandenburg.
Die Veranstaltung hat gezeigt, wie wichtig der fachübergreifende Austausch ist, um die Herausforderungen des Planens und Bauens gemeinsam zu bewältigen und zukunftsfähige Lösungen für Brandenburg zu entwickeln.
