Brandschutz bei Industriebauten in Holzbauweise
Holz gewinnt auch bei Gewerbe- und Industriebauten an Bedeutung. Eine 2026 neu aufgelegte Publikation der Studiengemeinschaft Holzleimbau erläutert die brandschutztechnische Nachweisführung, mögliche Erleichterungen und den Einfluss von Verbindungsmitteln. Der Einsatz von Holz im Gewerbe- und Industriebau stellt die Planung auch beim Brandschutz vor besondere Anforderungen. Neben den bauordnungsrechtlichen Vorgaben spielen die Feuerwiderstandsdauer von Bauteilen, die Nachweisführung und die Bewertung von Brandverläufen eine wichtige Rolle.
Eine neu aufgelegte Publikation der Studiengemeinschaft Holzleimbau bündelt hierzu Grundlagen, Berechnungsverfahren und Praxisbeispiele.
Anforderungen und Nachweisführung
Ausgangspunkt der Veröffentlichung sind die Anforderungen der Muster-Industriebaurichtlinie (MIndBauRL). Anhand von Rechenbeispielen wird erläutert, wie die Anforderungen für Industriebauten bestimmt und auf Bauteile in Holzbauweise übertragen werden können.
Ein Schwerpunkt liegt auf dem Nachweis der Feuerwiderstandsdauer von Holzbauteilen. Dabei ist unter anderem zu berücksichtigen, wie sich Holz im Brandfall verhält und welche Auswirkungen die thermische Einwirkung auf den verbleibenden Querschnitt eines Bauteils hat. Für die brandschutztechnische Bemessung ist deshalb eine differenzierte Betrachtung der jeweiligen Konstruktion erforderlich.
Brandsimulationen als Ergänzung
Die Publikation befasst sich außerdem mit Brandsimulationen. Mithilfe von berechneten Temperaturverläufen können Brandentwicklungen detaillierter untersucht werden. Solche Untersuchungen können dazu beitragen, brandschutztechnische Erleichterungen zu begründen, wenn die in den Regelwerken vorgesehenen Ansätze die konkrete Konstruktion oder Nutzung nicht vollständig abbilden.
Damit rückt neben der regelbasierten Nachweisführung auch die ingenieurmäßige Betrachtung von Brandereignissen in den Fokus. Für die Planung können dabei sowohl die Eigenschaften der Konstruktion als auch die spezifischen Randbedingungen eines Industriebaus relevant sein.
Verbindungsmittel und Versicherungsrisiken
Ein eigenes Kapitel widmet sich den Verbindungsmitteln. Schrauben, Bolzen oder andere Verbindungen können das Verhalten einer Holzkonstruktion im Brandfall beeinflussen und müssen daher bei der Beurteilung der Feuerwiderstandsdauer berücksichtigt werden.
Ergänzend betrachtet die Veröffentlichung die Risikoeinschätzung von Versicherern. Damit wird deutlich, dass beim Brandschutz von Industriebauten neben den bauordnungsrechtlichen Anforderungen auch versicherungstechnische Aspekte eine Rolle spielen können.
Die 52-seitige Publikation wurde im März 2026 neu aufgelegt und ist als Holzbau Handbuch I Reihe 3 I Teil 5 I Folge 3 kostenfrei als PDF bei der Studiengemeinschaft Holzleimbau verfügbar. Zu den Autoren gehören unter anderem Professor Dirk Kruse von der Hochschule Eberswalde sowie Professor Björn Kampmeier, Robert Westphal und Julius Lange von der Hochschule Magdeburg-Stendal.
