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Ettersburger Gespräch 2026: Besser günstig gebaut

Das Ettersburger Gespräch 2026 widmet sich den Voraussetzungen für wirtschaftliches und qualitätsvolles Bauen. Ein neues Strategiepapier zeigt Ansätze für verlässliche Verfahren, Bauen im Bestand und die Umsetzung erprobter Lösungen.

Die Kosten des Bauens stehen zunehmend im Mittelpunkt von Politik, Verwaltung und Bauwirtschaft. Gleichzeitig bleiben Anforderungen an Qualität, Dauerhaftigkeit, Ressourcenschonung und eine anpassungsfähige gebaute Umwelt bestehen. Das Ettersburger Gespräch 2026 hat deshalb untersucht, wie sich wirtschaftliches Bauen und qualitative Ansprüche miteinander verbinden lassen. Das Ergebnis ist das Strategiepapier „Kosten senken. Qualität steigern. Besser günstig gebaut.“

Beim jährlich stattfindenden Ettersburger Gespräch tauschen sich Entscheidungsträger aus Bau-, Wohnungs- und Immobilienwirtschaft, Architektur und Ingenieurwesen sowie aus Verwaltung, Politik und Wissenschaft aus. Dabei geht es nicht nur um einzelne Maßnahmen zur Kostensenkung, sondern um die Rahmenbedingungen, unter denen Bauprojekte geplant, genehmigt, finanziert und umgesetzt werden.

Das aktuelle Strategiepapier baut auf den Diskussionen der vergangenen Jahre auf. 2023 standen Rohstoffe, Baustoffe und Kreislaufwirtschaft im Mittelpunkt. 2024 folgte die Auseinandersetzung mit einfachem, normenreduziertem und kostengünstigem Bauen. Im Jahr 2025 ging es insbesondere um die frühe Zusammenarbeit der Projektbeteiligten, klare Verantwortlichkeiten und durchgängige digitale Prozesse. Die Ausgabe 2026 führt diese Themen zusammen und richtet den Blick auf deren Umsetzung in der Breite.

Kosten als Teil der Planungsaufgabe

Kostengünstiges Bauen beginnt nicht erst bei der Auswahl einzelner Baustoffe oder bei der Ausschreibung. Bereits frühe Planungsentscheidungen beeinflussen die späteren Bau- und Nutzungskosten. Dazu gehören unter anderem die Wahl des Standorts, die Gebäudekonzeption, der Umgang mit dem Bestand, die Konstruktion sowie die Möglichkeit, Gebäude und Infrastrukturen langfristig an veränderte Anforderungen anzupassen.

Das Strategiepapier stellt deshalb den Grundsatz der Angemessenheit in den Mittelpunkt. Qualität wird dabei nicht ausschließlich über zusätzliche technische oder gestalterische Anforderungen definiert. Entscheidend sind vielmehr die Eignung einer Lösung für ihre konkrete Aufgabe, ihre Dauerhaftigkeit und eine sorgfältige Ausführung.

Für das Ingenieurwesen ergibt sich daraus eine besondere Bedeutung der integralen Planung. Wenn Tragwerk, technische Gebäudeausrüstung, Bauphysik, Konstruktion und Nutzung frühzeitig zusammengedacht werden, können Zielkonflikte bereits vor der Ausführung erkannt und Lösungen auf ihre langfristigen Auswirkungen geprüft werden. Auch digitale Planungsmethoden können dazu beitragen, Informationen über ein Bauwerk über verschiedene Projektphasen hinweg nutzbar zu machen.

Verlässliche Rahmenbedingungen für das Bauen

Neben den technischen und planerischen Entscheidungen betrachtet das Strategiepapier die Rahmenbedingungen des Bauens. Langfristig planbare Investitionen, eindeutige Zuständigkeiten und zügige Entscheidungen werden als wichtige Voraussetzungen für wirtschaftliche Projekte benannt. Dazu gehören auch geeignete Verfahren und handlungsfähige Verwaltungen.

Für Planungs- und Bauprozesse bedeutet Verlässlichkeit, dass Beteiligte ihre Aufgaben und Verantwortlichkeiten frühzeitig kennen und Entscheidungen nachvollziehbar getroffen werden können. Verzögerungen entstehen häufig nicht allein durch die technische Komplexität eines Projekts. Auch Abstimmungsprozesse, Änderungen von Anforderungen oder unklare Schnittstellen können Zeit und Ressourcen binden.

Die Diskussion um kostengünstiges Bauen ist damit auch eine Frage der Prozessqualität. Klare Projektstrukturen, eine frühzeitige Koordination und digitale Arbeitsprozesse können dazu beitragen, Informationen verfügbar zu halten und Schnittstellen zwischen den Beteiligten besser zu organisieren.

Bestand, Nachverdichtung und Kreislaufwirtschaft

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Ansätzen, die bereits in verschiedenen Projekten erprobt wurden. Dazu zählen das Bauen im Bestand, die Nachverdichtung, kreislauffähige Konstruktionen, digitale Prozesse und partnerschaftliche Projektmodelle. Auch eine Reduzierung von Baustandards wird als Ansatz genannt, sofern sie zu angemessenen und dauerhaft funktionierenden Lösungen führt.

Gerade der Gebäudebestand stellt dabei eine besondere Planungsaufgabe dar. Bestehende Tragwerke, Bauteile und technische Anlagen müssen zunächst erfasst und bewertet werden. Gleichzeitig können vorhandene Strukturen, Flächen und Materialien weiter genutzt werden. Für Ingenieurleistungen bedeutet dies häufig eine stärkere Auseinandersetzung mit Bestandsdaten, Bauzuständen, Umnutzung und der technischen Anpassungsfähigkeit vorhandener Konstruktionen.

Kreislauffähiges Bauen erweitert diese Betrachtung um die spätere Nutzung von Bauteilen und Materialien. Konstruktionen können dabei nicht nur unter dem Gesichtspunkt ihrer Herstellung und Nutzung betrachtet werden, sondern auch im Hinblick auf Rückbau, Wiederverwendung und Recycling. Voraussetzung sind unter anderem geeignete Konstruktionsprinzipien sowie verlässliche Informationen über eingesetzte Materialien.

Vom Modellprojekt zur regulären Praxis

Eine zentrale Aussage des Ettersburger Gesprächs 2026 betrifft den Umgang mit bereits vorhandenen Erfahrungen. Modellprojekte können neue Verfahren erproben und Erkenntnisse liefern. Ihre Wirkung bleibt jedoch begrenzt, wenn erfolgreiche Ansätze nicht in reguläre Planungs- und Bauprozesse übernommen werden.

Das Strategiepapier verbindet damit mehrere Handlungsfelder: einfachere und angemessene Lösungen, Bauen im Bestand, Nachverdichtung, digitale Prozesse, neue Formen der Zusammenarbeit und kreislauffähige Konstruktionen. Die Herausforderung besteht darin, geeignete Verfahren so weiterzuentwickeln, dass sie unter unterschiedlichen Projektbedingungen angewendet werden können.

Dabei spielen auch Normen und Standards eine Rolle. Eine Reduzierung von Anforderungen kann Kosten senken, muss jedoch immer im Zusammenhang mit Sicherheit, Gebrauchstauglichkeit, Dauerhaftigkeit und den konkreten Anforderungen des jeweiligen Bauwerks betrachtet werden. Die Frage ist daher nicht allein, welche Anforderungen entfallen können, sondern welche Anforderungen für die jeweilige Aufgabe tatsächlich erforderlich sind.

Baukultur und Wirtschaftlichkeit

Das Strategiepapier stellt wirtschaftliches Bauen ausdrücklich in einen Zusammenhang mit Baukultur. Kosten, Zeit und Qualität sollen demnach nicht isoliert betrachtet werden. Baukultur umfasst dabei nicht nur die gestalterische Qualität eines Bauwerks, sondern auch funktionale, technische, wirtschaftliche und ressourcenbezogene Aspekte.

Für Ingenieurinnen und Ingenieure eröffnet diese Perspektive einen breiten Betrachtungsrahmen. Tragfähige, dauerhafte und ressourcenschonende Konstruktionen sind ebenso Bestandteil der gebauten Qualität wie funktionierende Infrastrukturen und eine auf die jeweilige Aufgabe abgestimmte Planung. Wirtschaftlichkeit entsteht damit nicht zwangsläufig durch die Wahl der kurzfristig günstigsten Lösung, sondern kann auch durch langlebige, wartungsarme und anpassungsfähige Konzepte unterstützt werden.

Das Strategiepapier richtet seine drei gemeinsamen Positionen sowohl an Politik und Verwaltung als auch an die am Planen und Bauen Beteiligten. Neben der Forderung nach günstigeren und angemessenen Lösungen stehen deshalb verlässliche Rahmenbedingungen und die schnellere Übertragung erprobter Ansätze in die Praxis.

Das Ettersburger Gespräch 2026 führt damit die Diskussion der vergangenen Jahre weiter. Das Strategiepapier „Kosten senken. Qualität steigern. Besser günstig gebaut.“ steht zum Download bei der Bundesstiftung Baukultur bereit. Die weitere Umsetzung der darin formulierten Ansätze wird davon abhängen, wie sich veränderte Verfahren, digitale Arbeitsweisen, Bestandserhalt, Standardisierung und neue Formen der Zusammenarbeit in konkreten Bauprojekten etablieren.

>> Zum Strategiepapier

© Axel Clemens
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