Holzbau gewinnt im Wohnungsbau und Bestand an Bedeutung
Der moderne Holzbau entwickelt sich trotz rückläufiger Neubauzahlen weiter. Ein aktueller Branchenreport sieht insbesondere im mehrgeschossigen Wohnungsbau, in der seriellen Sanierung und bei Aufstockungen bestehender Gebäude wachsende Einsatzmöglichkeiten für Holzbausysteme.
Die Entwicklung des Holzbaus wird zunehmend von den Anforderungen an bezahlbaren Wohnraum, energieeffiziente Gebäude und ressourcenschonende Bauweisen geprägt. Während der Neubau in Deutschland, Österreich und der Schweiz derzeit unter einer schwachen Baukonjunktur leidet, verschieben sich die Wachstumsperspektiven innerhalb des Marktes. An Bedeutung gewinnen vor allem mehrgeschossige Wohngebäude sowie Maßnahmen im Gebäudebestand.
Zu diesem Ergebnis kommt das Trend Barometer 2026 Moderner Holzbau von Holzbauwelt.de. Der Bericht analysiert aktuelle Marktdaten, Branchenstudien und regulatorische Entwicklungen im deutschsprachigen Raum und bewertet, in welchen Marktsegmenten bis 2030 zusätzliche Nachfrage entstehen könnte. Die veröffentlichten Werte stellen dabei eine Marktanalyse und keine amtliche Prognose dar.
Mehrgeschossiger Holzbau mit Entwicklungspotenzial
Im klassischen Ein und Zweifamilienhausbau gehört Holz seit Jahren zu den etablierten Bauweisen. Deutlich geringer fällt sein Anteil bislang im mehrgeschossigen Wohnungsbau aus. Gerade dieses Segment bietet nach Einschätzung des Reports weiteres Entwicklungspotenzial.
In Deutschland erreichte der Holzbau bei genehmigten Wohngebäuden im Jahr 2024 einen Anteil von 24,1 Prozent und damit einen Höchststand. Im Mehrfamilienhausbau lag der Holzanteil im ersten Halbjahr 2025 dagegen bei lediglich 8,2 Prozent. Auch in Österreich und der Schweiz zeigen sich vergleichbare Entwicklungen. Während die Holzbaubranche über hohe technische Kompetenz verfügt, bleibt der Marktanteil bei größeren Wohngebäuden bislang vergleichsweise niedrig.
Aus diesen Daten leitet der Bericht ein Basisszenario bis zum Jahr 2030 ab. Demnach könnte der Holzanteil im mehrgeschossigen Wohnungsbau in Deutschland und der Schweiz auf zehn bis zwölf Prozent steigen, in Österreich auf fünf bis sieben Prozent.
Für Planende ergeben sich daraus neue Anforderungen. Mehrgeschossige Holzgebäude stellen hohe Ansprüche an Tragwerksplanung, Brandschutz, Bauphysik sowie Schallschutz. Gleichzeitig wächst die Bedeutung integraler Planungsprozesse, bei denen Architektur, Ingenieurplanung und industrielle Fertigung frühzeitig aufeinander abgestimmt werden.
Gebäudebestand rückt stärker in den Fokus
Ein wesentlicher Wachstumstreiber liegt nach Einschätzung des Reports im Gebäudebestand. Insbesondere die serielle Sanierung bietet die Möglichkeit, energetische Modernisierungen effizienter umzusetzen.
Dabei kommen industriell vorgefertigte Fassaden, Dach und Technikelemente zum Einsatz, die auf der Baustelle innerhalb kurzer Zeit montiert werden. Dadurch verkürzen sich Bauzeiten, Eingriffe in den Gebäudebetrieb lassen sich reduzieren und Abläufe werden besser planbar. Vor allem bei größeren Wohngebäuden können standardisierte Lösungen wirtschaftliche Vorteile bieten.
Der Report geht davon aus, dass in Deutschland rund 30 Prozent der Mehrfamilienhäuser besonders gut für serielle Sanierungslösungen geeignet sind. Weitere 15 Prozent gelten grundsätzlich als technisch umsetzbar. Mit zunehmender Standardisierung könnten sich gegenüber frühen Pilotprojekten sowohl die Baustellenzeiten als auch die Kosten deutlich verringern.
Für Ingenieurbüros gewinnt damit die Planung industriell vorgefertigter Baukomponenten an Bedeutung. Digitale Planungsmethoden und standardisierte Prozesse spielen dabei eine wichtige Rolle, um Fertigung, Transport und Montage präzise aufeinander abzustimmen.
Aufstockungen schaffen zusätzlichen Wohnraum
Auch die Nachverdichtung bestehender Quartiere gewinnt an Bedeutung. Aufstockungen bieten die Möglichkeit, zusätzlichen Wohnraum zu schaffen, ohne neue Flächen in Anspruch zu nehmen.
Holz eignet sich aufgrund seines vergleichsweise geringen Eigengewichts besonders für diese Bauaufgabe. Bestehende Tragwerke können dadurch häufig weiter genutzt werden, ohne umfangreiche Verstärkungsmaßnahmen durchführen zu müssen. Gleichzeitig lassen sich energetische Sanierungen und die Schaffung neuer Wohnungen innerhalb eines gemeinsamen Projekts verbinden.
Für Kommunen und Wohnungsunternehmen kann diese Kombination dazu beitragen, innerstädtische Flächen effizienter zu nutzen und den Gebäudebestand schrittweise an aktuelle Anforderungen anzupassen.
Kohlenstoffspeicherung gewinnt an Bedeutung
Neben konstruktiven und wirtschaftlichen Aspekten rückt auch die Klimawirkung von Gebäuden stärker in den Mittelpunkt. Der Report verweist auf europäische Entwicklungen zur Erfassung und Zertifizierung biogener Kohlenstoffspeicher in Bauwerken.
Künftig könnten damit neben Energieeffizienz und Herstellungsaufwand auch die im Baustoff Holz langfristig gebundenen Kohlenstoffmengen stärker in die Bewertung von Gebäuden einfließen. Für den Holzbau könnte dies zusätzliche Bedeutung bei Nachhaltigkeitsbewertungen und zukünftigen Bewertungsverfahren erhalten.
Welche Auswirkungen sich daraus auf Bauprojekte und Investitionsentscheidungen ergeben, wird wesentlich von der weiteren Ausgestaltung europäischer Regelungen abhängen.
Digitale Planung und Vorfertigung als Erfolgsfaktoren
Unabhängig vom gewählten Einsatzbereich macht der Report deutlich, dass der wirtschaftliche Erfolg moderner Holzbauprojekte maßgeblich von einer durchgängigen Projektorganisation abhängt. Planung, Vorfertigung, Logistik und Montage müssen frühzeitig miteinander verzahnt werden.
Insbesondere standardisierte Systemlösungen und digitale Planungsprozesse erleichtern die Abstimmung zwischen den Projektbeteiligten und schaffen die Voraussetzungen für eine industrielle Fertigung. Für Ingenieurbüros bedeutet dies, dass digitale Methoden und interdisziplinäre Zusammenarbeit zunehmend zum festen Bestandteil moderner Holzbauprojekte werden.
Das Trend Barometer 2026 Moderner Holzbau steht kostenfrei zur Verfügung und liefert einen Überblick über aktuelle Marktentwicklungen sowie mögliche Perspektiven bis zum Jahr 2030. Die dargestellten Szenarien verdeutlichen, dass sich der Holzbau künftig nicht allein über den Neubau entwickelt, sondern insbesondere durch Sanierung, Nachverdichtung und die Weiterentwicklung industrieller Bauprozesse.
