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Mitgliederbefragung 2026: HOAI bleibt wichtige Grundlage

Die HOAI bleibt für Architektur- und Ingenieurbüros eine zentrale Grundlage der Honorarabrechnung. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse der Mitgliederbefragung 2026 längere Projektlaufzeiten, einen hohen Verwaltungsaufwand und eine weiterhin angespannte wirtschaftliche Lage.

Im Auftrag der Bundesingenieurkammer (BIngK), des Verbands Beratender Ingenieure (VBI), der Bundesarchitektenkammer (BAK) und des Ausschusses der Verbände und Kammern der Ingenieure und Architekten für die Honorarordnung (AHO) befragten IW Consult und Reiß & Hommerich im Mai und Juni 2026 rund 4.900 Architektur- und Ingenieurbüros. Die Untersuchung zur wirtschaftlichen Situation im Geschäftsjahr 2025 liefert aktuelle Erkenntnisse zu Honorarstrukturen, Arbeitsorganisation und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Planungsbranche.

HOAI prägt weiterhin die Honorarabrechnung

Durchschnittlich 51 Prozent der Gesamtleistungen werden nach den Regelungen der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) abgerechnet. Dabei zeigen sich Unterschiede zwischen den Berufsgruppen: Während Architekturbüros 59 Prozent ihrer Leistungen auf HOAI-Basis abrechnen, liegt der Anteil bei Ingenieurbüros bei 45 Prozent.

Bei Leistungen außerhalb der HOAI überwiegen Stundenhonorare mit 40 Prozent und Fixhonorare mit 33 Prozent. Größere Büros greifen häufiger auf die HOAI zurück, während kleinere Unternehmen verstärkt nach Zeitaufwand abrechnen.

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die HOAI trotz des Wegfalls verbindlicher Mindest- und Höchstsätze weiterhin eine wichtige Orientierungsfunktion für die Honorarermittlung erfüllt. Seit der Reform 2021 dienen die Honorartafeln als Grundlage zur Honorarorientierung, während die konkrete Vergütung grundsätzlich vertraglich vereinbart wird.

Längere Projektlaufzeiten belasten die Planung

Eine weitere Entwicklung betrifft die Dauer von Planungs- und Bauprojekten. Im Vergleich zu vor zehn Jahren berichten zahlreiche Büros von längeren Bearbeitungszeiten bei vergleichbaren Vorhaben.

Besonders deutlich zeigt sich dies in den Leistungsphasen 6 bis 8, die unter anderem die Vergabevorbereitung, die Mitwirkung bei der Vergabe und die Objektüberwachung umfassen. Hier melden 61 Prozent der befragten Büros längere Projektlaufzeiten, während lediglich 8 Prozent von Verkürzungen berichten. Für die Leistungsphasen 1 bis 3 und 5 liegt das Verhältnis bei 48 zu 18 Prozent.

Ingenieurbüros sind nach eigenen Angaben etwas häufiger von verlängerten Projektlaufzeiten betroffen als Architekturbüros. Für die wirtschaftliche Kalkulation ist diese Entwicklung relevant, da längere Projektzeiträume zusätzliche Abstimmungen, organisatorischen Aufwand und gegebenenfalls höhere Personalkosten verursachen können. Insbesondere bei pauschal vereinbarten Honoraren können sich dadurch wirtschaftliche Risiken ergeben, wenn zusätzliche Leistungen oder Verzögerungen nicht angemessen vertraglich berücksichtigt werden.

Nur 70 Prozent der Arbeitszeit fließen in Projekte

Neben den Projektlaufzeiten untersucht die Befragung, wie sich die Arbeitszeit innerhalb der Büros verteilt. Im Durchschnitt entfallen 73 Prozent auf unmittelbare Projektarbeit. Bei Architekturbüros beträgt dieser Anteil 79 Prozent, bei Ingenieurbüros dagegen nur 70 Prozent.

Damit stehen in Ingenieurbüros durchschnittlich 30 Prozent der Arbeitszeit nicht für die unmittelbare Projektbearbeitung zur Verfügung. Dazu gehören beispielsweise interne Verwaltungsaufgaben, organisatorische Tätigkeiten und die Erfüllung regulatorischer Anforderungen.

Für die betriebswirtschaftliche Steuerung ist diese Verteilung von Bedeutung. Nicht unmittelbar projektbezogene Arbeitszeiten müssen bei der Kalkulation von Stundensätzen und Gemeinkosten berücksichtigt werden. Die Ergebnisse unterstreichen damit die Bedeutung einer realistischen Honorarermittlung, die neben der fachlichen Planungsleistung auch die betrieblichen Rahmenbedingungen abbildet.

Auftragslage bleibt von Unsicherheit geprägt

Die bereits im Sommer veröffentlichten Ergebnisse zur wirtschaftlichen Situation zeigen eine zunehmend schwankende Auftragsentwicklung. Im zweiten Halbjahr 2025 verzeichneten 37 Prozent der Ingenieurbüros rückläufige Auftragseingänge, während 30 Prozent einen Anstieg meldeten. Beide Entwicklungen traten häufiger auf als im Vorjahr.

Der durchschnittliche Auftragsbestand lag mit 11,3 Monaten zwar leicht über dem Vorjahresniveau, dennoch erwarteten 26 Prozent der Ingenieurbüros für 2026 einen weiteren Rückgang. Als wesentliche Belastungen nannten die Befragten regulatorische Anforderungen, gestörte Projektabläufe und die allgemeine wirtschaftliche Abschwächung.

Die Ergebnisse zeigen zugleich, dass ein vergleichsweise hoher Auftragsbestand nicht zwangsläufig mit wirtschaftlicher Planungssicherheit gleichzusetzen ist. Verzögerungen, steigende interne Aufwendungen und schwankende Auftragseingänge können die Auslastung und Rentabilität der Büros unterschiedlich beeinflussen.

Mit Blick auf die weitere Entwicklung der HOAI gewinnen diese Erkenntnisse zusätzliche Bedeutung. Insbesondere die Abbildung tatsächlicher Planungsaufwände, veränderter Projektanforderungen und wirtschaftlich tragfähiger Honorare bleibt für die laufende Diskussion über die Weiterentwicklung der Honorarordnung relevant.

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